Aureus     7.84g    geprägt in Lyon/Rom:  46/47 n. Chr.

TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P VI IMP XI

Tiberius Claudius Caesar Augustus Pontifex Maximus Tribunicia Potestate Imperator. Büste des Claudius mit Lorbeerkranz n.r.

DE BRITANN

De Britannis. (Sieg) über die Britannen. Eintoriger Bogen mit Reiterstandbild n.l. zwischen zwei Trophäen jeweils bestehend aus Helm, vier Schilden und zwei Lanzen.

Kat: RIC 33          Provenienz: Privatbesitz (erworben 2014)


Regierungsjahre, Komplotte, Eroberungen


 

       Mit der Thronbesteigung nahm Claudius den julischen Gentilnomen Caesar an, der zwar vom Senat vermutlich verachtet wurde (der wahnsinnige Caligula war der letzte „Gaius Julius Caesar“), aber bei der Armee, der Bevölkerung in Rom und in den Provinzen geachtet war. Des Weiteren nahm er den Titel Augustus an, um seinen Herrscher-anspruch zu bekräftigen und vermutlich gleichzeitig eine Kontinuität zu versprechen (Scramuzza, 1940: p.62).


Nach Cassius Dio (Buch 60, 3.2) verweigerte er zunächst auch den Titel pater patriae, den er wahrscheinlich im Januar 42 dann aber doch annahm (Momigliano, 1934: p.39 Fußnote 1; v. Kaenel, 1986 : p.220f; Levick, 1990: p.41 und 204; siehe auch Alföldi, 1971).


Claudius ließ eine offizielle damnatio memoriae für seinen wahnsinnigen Vorgänger (und Verwandten) Caligula nicht zu (Cassius Dio, Buch 60, 4.6), der Name Caligula wurde eher „über Nacht“ aus offiziellen Bildnissen und im Alltag entfernt (Levick, 1990: p.88; Calomino, 2016: p.53f). Im Rahmen dieser damnatio de facto wählte Claudius laut der Analyse von Levick (1990, 2002) einen neuen Weg, weniger das Vernichten sondern das Umgestalten von Bildnissen seines Vorgängers, seien es Münzstempel oder Bildnisse, in seine eigenen Bildnisse.


Regierungskabinett

Unter Claudius war ein zentrales Regierungskabinett mit klar umrissenen Aufgabengebieten tätig:


ab epistulis (Narcissus, für Korrespondenz),

a rationibus (Pallas, für Finanzen) (Oost, 1958),

a libellis (Callistus, für auswärtige Angelegenheiten) und

a studiis (Polybius, sein Kultur-Sekretär) (Osgood, 2011: p.198). 

 

Claudius stützte sich dabei nicht auf Senatoren oder Ritter, sondern auf Freigelassene seines eigenen Haushaltes (Sueton, Claudius 28). Freigelassene als Sekretäre waren auch unter Augustus, Tiberius und Caligula tätig gewesen, jedoch nicht so strukturiert organisiert und öffentlich geehrt (Levick, 1990: p.83). Die vier Freigelassenen erreichten unter Claudius großen Reichtum und ungewöhnliche Ehren (Ziegler, 1879: p.44f). Ob allerdings von einer grundsätzlichen Strukturreform im administrativen Bereich unter der Regierungszeit von Claudius gesprochen werden kann, wird eher verneint (Eck, 1994).


Censor

Im Regierungsjahr 47/48 übernahm Claudius zusammen mit L. Vitellius das Amt des Censors für die regulären 18 Monate, ein Amt, das zuletzt 14 v. Chr. besetzt war (Momigliano, 1934: p.44; Ryan, 1993). Die Zählung ergab nach Tacitus (Annalen Buch XI, 25) 5.984.072 römische Bürger (im Vergleich 4.937.000 römische Bürger im Jahr 14 v. Chr.; zur Diskussion siehe Momigliano 1934: p.44).


Bautätigkeiten

Claudius vollendete den unter Caligula begonnenen Aquädukt Anio Novus, fertigte die Aqua Claudia, und restaurierte die Aqua Virgo (Scramuzza, 1940: p.160). Als Großprojekt baute er den Hafen von Ostia aus (Scramuzza, 1940: p.166). Als zweites Großprojekt begann er die Trockenlegung des Lacus Fucinus (Scramuzza, 1940: p.173), eines ca. 16.000 Hektar großen Sees (heute Lago di Celano), der jährlich zu Überschwemmungen führte (Duruy, 1894: p.40f). Eine Übersicht über diese Bautätigkeiten mit Bildmaterial ist bei Osgood (2011: p.168ff) nachzulesen.


Anschläge/Komplotte

Es gab mehrere Anschläge oder Komplotte gegen seine Person:


1.) Aufstand in der Provinz Dalmatien (Cassius Dio Buch 60 (Abschnitt 14.2ff): Annius Vinicianus initiierte im Jahr 42 n. Chr. zusammen dem Statthalter aus Dalmatien, Lucius Arruntius Camillus Scribonianus einen Aufstand und forderte von Claudius den Rücktritt. Die beiden in Dalmatien stationierten Legionen VII und XI waren jedoch nicht dazu bewegen gewesen, gegen Rom bzw. Claudius zu ziehen, so dass der Aufstand bereits innerhalb weniger Tage zu Ende kam. Die beiden Legionen wurden mit dem Ehrentitel Claudia Pia Fidelis (Treue und Standhaftigkeit) ausgezeichnet (Dio, Buch 60:15.4).

 

2.) Valerius Asiaticus, ein gebürtiger Gallier aus Vienne (oder Vienna) und zweimaliger Consul, zuletzt im Jahr 46 n. Chr., habe sich öffentlich gerühmt, Mitverschwörer gegen Caligula gewesen zu sein, und damit gebrüstet, es sei ihm ein Leichtes, Stämme seiner Heimat gegen Rom aufzuwiegeln (Tacitus Annalen Buch XI:1f). Levick (1990: p.62f) sieht in der Person V. Asiaticus eine realistische Bedrohung für das Prinzipat des Claudius.

 

3.) Sueton (Claudius 13.1) berichtet über Attentäter aus dem Volk sowie aus dem Ritterstand. Tacitus (Annalen Buch XI:22) erwähnt in diesem Zusammenhang namentlich einen Ritter Cn. Nonius, der im Jahr 47 n. Chr. mit einem Dolch bewaffnet beim morgendlichen Empfang überwältigt wurde.

 

4.) Sueton (Claudius 13.2) und Cassius Dio (Buch 60:27.5) erwähnen einen weiteren Komplott bestehend aus Asinius Gallus (Cousin von Claudius) und T. Statilius Taurus Corvinus, Konsul des Jahres 45 n. Chr.


5.) Ein weiterer Komplott zwischen der Ehefrau Messalina und dem Patrizier C. Silius im Jahr 48 n. Chr. hätte möglicherweise das Ende des Prinzipats bedeuten können. Während einer Reise des Claudius nach Ostia feierten Messalina und Silius eine Art Hochzeit, in Anwesenheit von Senatoren und Rittern (Tacitus Annalen Buch XI:35). Nach Tacitus (Annalen Buch XI:33) wurde dem kaiserlichen Sekretär Narcissus für einen Tag die Befehlsgewalt übertragen, der die Hochzeit gewaltsam beendete, und Messalina sowie Beteiligte hinrichten ließ.

 

Eroberung von Britannien

In einer früheren Lesart (Cassius Dio und Sueton) waren es Exilanten aus Britannien (Bericus und Adminius, Sohn des Königs Cunobelinus von Trinobantes), die Claudius zu diesem Feldzug überredeten (Lehmann, 1858: p.225f).


Die Expedition startete im Jahr 43 mit 4 Legionen unter dem Legat des Aulus Plautius (Osgood, 2011: p.89f). Die Expedition endete mit der Einnahme von Camulodunum (Colchester), der Hauptstadt des Königs Cunobelinus, und Besetzung der südlichen  und östlichen Regionen von England (Schusterbauer, 2004).


Cassius Dio (Buch 60, 22. 1-3) erwähnt, dass daraufhin der Senat Claudius den Titel Britannicus verlieh und einen Triumpf genehmigte (43 n. Chr.). Der Titel wurde auch seinem Sohn verliehen, der „dann irgendwie zum gewöhnlichen Namen des Sohnes wurde“. Die Ehefrau Messalina erhielt das Vorrecht wie Livia zuvor das carpentum zu benutzen. Des Weiteren wurden zwei Triumphbögen aufgestellt, in Rom selbst auf dem Marsfeld und in Gallien, von wo aus die Expedition startete (Osgood, 2011: p.91f).


Der Triumphbogen in Rom umspannte wahrscheinlich die verkehrsreiche Via Lata (heute Via del Corso), eine Verlängerung der Via Flaminia, (Barrett 1991). Fragmente des Bogens sind erhalten; der Text darauf lautet: Ti Clau[dio Drusi f Cai]sari Augu[sto Germani]co pontifici[i maxim trib potes]tat XI COS V im[p XXII cens patri pa]triai senatus po[pulusque] Ro[manus q]uod reges Brit[annorum] XI d[evistos sine] ulla iactur[a in deditionem acceperit] gentesque b[arbaras trans Oceanum] primus in dici[onem populi Romani redegerit] (Smallwood 1967; Nr. 43b) (sinngemäß: der Senat und das Volk von Rom widmen den Triumpfbogen dem Tiberius Claudius Caesar Augustus Germanicus, Sohn des Drusus, Pontifex Maximus, in der 11. Amtsperiode als Tribun, fünfmal Consul, 22 mal als Imperator ausgerufen, Censor, Vater des Vaterlandes, weil er 11 besiegte Könige Britanniens ohne Verluste übernahm, und weil er als Erster die Barbaren jenseits des Ozeans unter die Herrschaft des römischen Volkes brachte).


Die Inschrift legt nahe, dass der Triumpfbogen im Jahr 51 n. Chr. (bzw. Anfang 52 n. Chr.) eingeweiht wurde, also erst 8 Jahre nach dem Sieg über Britannien (? August 43 n. Chr.). Als Hauptursache für diesen zeitlichen Verzug nimmt Barrett (1991) an, dass bauliche Probleme durch die Nähe zum Aqua Virgo bestanden. 


Das vorliegende Motiv ähnelt stark dem Münztyp v. Kaenel 5 (TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P / DE GERMANIS; RIC 3; geprägt 41/42 n. Chr.). und den Münzen für den Vater von Claudius, Nero Drusus (RIC 69-72, RIC 114). Die Ähnlichkeit zu den Münzen zu Ehren seines Vaters dürfte wahrscheinlich nicht zufällig sein – Claudius knüpft an die Erfolge seines im Volk und Militär beliebten Vaters an.