Britannicus: Sesterz 26.85g   geprägt in Thrakien (?): 50-54 n. Chr., RPC 1953 (.10=diese Münze); Provenienz: Privatbesitz (erworben 2012)

Nero Caesar: Aureus 7.34g  geprägt in Rom/Lyon: 51 - 54 n. Chr.; RIC (Claudius) 78; Provenienz: Privatbesitz (erworben 2007)

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Nachfolge: Nero Caesar versus Britannicus Caesar


Britannicus

 

Der Ehe mit Messalina entsprangen eine Tochter Claudia/Octavia und ein Sohn Ti. Claudius Caesar Germanicus. Sueton erwähnt (Claudius 27.2), dass der Sohn des Claudius am 20. Tag seiner Regentschaft geboren wurde, also wahrscheinlich am 13. Februar 41 n. Chr. Cassius Dio (Buch 60, 22. 1 bis 3) erzählt weiter, dass der Senat nach erfolgreichem Britannien-Feldzug Claudius (43/44 n. Chr.) den Titel Britannicus verlieh und einen Triumpf genehmigte, der Titel wurde auch seinem Sohn verliehen.

 

Über die Jugend des Britannicus ist nur wenig bekannt. Tacitus (Buch XIII, 16) berichtet, dass Britannicus seit frühster Jugend an Epilepsie gelitten haben soll (..solitum ita ait per comitialem morbum, quo prima ab infantia adflictaretur Britannicus et redituros paulatim visus sensusque). Agrippina scheint die Kenntnis über dieses Leiden unter das Volk gestreut zu haben („Von Britannicus hingegen wussten viele gar nicht, ob er noch lebe, und der Rest hielt ihn für geisteskrank und epileptisch; solche Gerüchte streute Agrippina aus“) (Cassius Dio, Epitome des Buches 61, p.20).

 

Sueton (Claudius 27) erzählt über den Stolz des Vaters und die häufige Präsentation des leiblichen Sohnes dem Militär und dem römischen Volk. Es heißt: „Britannicus kam am 20. Tag seiner Regierung auf die Welt; er empfahl ihn in seinem zweiten Konsulat (=42 n Chr.), damals war er noch ein kleiner Wicht, dem Militär, indem er ihn vor versammelter Mannschaft auf seinen Händen trug, und auch beständig dem Volke, indem er ihn bei Schauspielen auf den Schoß oder vor sich nahm, und geleitet ihn unter glückverheißenden Wünschen zusammen mit der Menge derjenigen, die laut ihren Beifall bekundete.“

 

Aus heutiger Sicht sind die Gründe unklar, warum Claudius seinen leiblichen Sohn Britannicus als potentiellen Nachfolger nicht weiter in der römischen Öffentlichkeit positionierte, u.a. unterstützt durch eine diesbezügliche Münzprägung. So wurde Britannicus Caesar in das Münzprogramm einiger Provinzen aufgenommen, aber nicht in der Reichsprägung in Rom selbst (Brumurelli, 2016). Einzig ein Sesterz von Britannicus ist bekannt, der nicht in Rom sondern wahrscheinlich in der Provinz geprägt wurde (v. Kaenel, 1984). Darüber hinaus haben vereinzelt östliche Prägstätte eine Münzprägung mit dem Motiv Britannicus alleine oder in Kombination mit Nero Caesar vorgenommen (Imhoof-Blumer, 1915; Übersicht bei Brumurelli, 2016), z.B. in Pergamon (Region Mysien) RPC 2371.


Ein wichtiger Einschnitt im Leben des jungen Britannicus muss die Hinrichtung seiner Mutter Messalina im Jahr 48 n. Chr. gewesen sein (Tacitus Buch XI, 37-38). Hintergrund war ein Liebesverhältnis zwischen Messalina und dem C. Silius, einem hochangesehenen Patrizier (Meise 1969: p.155), der die Ehe versprach und als kinderloser Mann die Adoption des Britannicus anbot (Meise 1969: p.153). Das Motiv dieser Verschwörung ist unklar, Meise (1969: p.168-169) favorisiert die Besorgnis der Messalina über ihre eigene Position als Kaiserin und die Sicherung der Nachfolge ihres Sohnes Britannicus. Tacitus spricht dagegen von furori maximus amor (Buch XI, 12) für den schönsten unter den jungen Männern Roms, einer Begründung, der sich auch Fagan (2002) nach Bewertung aller verfügbarer Quellen anschließt. Bei dem Aufdecken des Komplotts und Veranlassung der Hinrichtung der Messalina spielten die Sekretäre des Claudius, insbesondere Narcissus, eine tragende Rolle (Meise 1969: p.125f; p.158f).

 

Nach der Hinrichtung der Messalina wurden verschiedene Heiratskandidatinnen in Erwägung gezogen. Tacitus (Buch XII, 1) führt aus, dass drei Kandidatinnen durch die Sekretäre favorisiert und dem Claudius angepriesen wurden: Lollia Paulina durch Callistus, Iulia Agrippina (Agrippina minor bzw.  II) durch Pallas, und die frühere Ehefrau von Claudius, Aelia Paetina, durch Narcissus. Tacitus (Buch XII, 2) schreibt weiter, dass Agrippina‘s Reize als auch die Tatsache, dass sie einen Enkel des Germanicus mit in die Ehe bringen würde, die Wahl auf Agrippina letztendlich fallen ließ.

 

Cassius Dio (Epitome Buch 61; p.13) schreibt: „Die Freigelassenen bemühten sich nämlich heftig um das Zustandekommen dieser Ehe, da Agrippina einen bereits ins Mannesalter tretenden Sohn namens Domitius hatte und sie diesen als Nachfolger des Claudius auf den Thron bringen wollten. So hofften sie einer Bestrafung durch Britannicus zu entgehen, dessen Mutter Messalina auf ihre Veranlassung hin den Tod gefunden hatte. Als nun die Vermählung schon beschlossene Sache war, fürchteten sie sich vor Silanus, den Claudius als aufrechten Mann schätzte, und wollten gleichzeitig seine Tochter Octavia, die dem Silanus verlobt war, für Agrippinas Sohn Domitius sichern. Deshalb überredeten sie Claudius, den Silanus als angeblichen Verschwörer gegen ihn hinzurichten“.

 

Die Ehe mit seiner Nichte Agrippina minor wurde von Claudius am 1. März (oder 1. Januar; Levick 1990: p.69) 49 n. Chr. geschlossen. Lucius wurde am 25. Februar 50 n. Chr. (Meise 1969: p.176) von Claudius adoptiert; damit stand offiziell fest, dass der 3 Jahre jüngere Britannicus alleine nicht mehr die Nachfolge im Prinzipat hätte antreten können.

 

Das weitere Wirken der Agrippina, Britannicus zu isolieren und seinen Einfluss zu schmälern, schildert anschaulich Tacitus anhand einer Begebenheit (Buch XII, 41): “Bei einer Begegnung grüßte Nero den Britannicus bei seinem Namen, der redete ihn als Domitius an. Diesen Vorfall brachte Agrippina, als den Beginn der Zwietracht, unter vielfältigen Klagen vor ihren Gatten: man mißachte ja die Adoption, und was der Senat beschlossen und das Volk gutgeheißen habe, werde innerhalb des Hauses wieder aufgehoben; und wenn man der Verworfenheit der Leute, die ihn solche Bosheiten lehrten, nicht wehre, werde sie zum Verderben des Staates ausschlagen. Unter dem Eindruck dieser Beschwerden bestrafte er, als handle es sich um wirkliche Verbrechen, gerade die besten Erzieher seines Sohnes mit der Verbannung oder dem Tode und setzte Leute, die von der Stiefmutter gestellt wurden, zur Aufsicht über ihn ein“.Britannicus wurde wenige Monate später nach der Machtübernahme Neros am 11. oder 12. Februar 55 n. Chr., also unmittelbar vor seinem 14. Geburtstag, auf Geheiß des Nero vergiftet (Tacitus Buch XIII, 16-17; Sueton, Nero 33).


Die Nähe zu dem 14. Geburtstag des Britannicus lässt vermuten, dass Nero diese Tat zur Sicherung seines Thrones anstellte, bevor Britannicus offiziell seine toga virilis erhielt und möglicherweise dynastische Ansprüche stellen konnte. Cassius Dio erwähnt in diesem Zusammenhang zwei zusätzliche Informationen. Zum einen vermerkt er, dass - sinngemäß - nach einem strengen Recht die Herrschaft dem Britannicus hätte zukommen müssen, aber räumt gleichzeitig ein, dass kein Rechtsanspruch stärker als Waffen sei (Epitome zum Buch 61; p.24). Zum anderen schien Agrippina im Streit dem Nero zu drohen, „den Britannicus zum Kaiser zu machen“ (Epitome zum Buch 61, Ergänzungsbericht des Zonaras, p.32). Beides zusammen mag Nero dazu gedrängt haben, Britannicus endgültig zu beseitigen.

 

Zum Tode des Britannicus berichtet Cassius Dio über ein makabres Geschehen (Epitome Buch 61, 7.4): „Nachdem Nero den Britannicus heimtückisch durch Gift umgebracht hatte, ließ er dessen Leiche, da die Haut infolge des Giftes blau anlief, mit Gips überstreichen. Doch während man den Toten über das Forum trug, ging ein starker Regen nieder, und wusch, weil der Gips noch feucht war, diesen völlig ab, so dass man von dem Verbrechen nicht nur hören, sondern es auch mit eigenen Augen sehen konnte“. (Der heftige Regen bei der Beerdigung wird ebenfalls bei Tacitus, XII,17 erwähnt).


Nero Caesar

 

 Lucius Domitius Ahenobarbus (=bronzener Bart, Rotbart), der spätere Princeps Nero, entstammte aus einer Ehe von Agrippina der Jüngeren mit dem Senator Cn. Domitius Ahenobarbus. Über die Großmütter väterlichseits (Antonia Major) und mütterlichseits (Antonia Minor), die die Töchter der einzigen Schwester (Octavia) von Augustus waren, konnte Nero auf eine direkte Abstammung aus dem Hause des Augustus blicken. Das wahrscheinliche Geburtsjahr des Nero ist der 15. Dezember 37 n. Chr. (Barrett 1996: p.234). 

 

Schon vor der Hochzeit, als sich Agrippina der Eheschließung mit Claudius sicher war, wurde die Verlobung zwischen Lucius mit der Tochter des Kaisers, Claudia/Octavia geplant; dazu musste Claudia/Octavia ihre Verlobung mit L. Silanus zuvor lösen (Meise 1969: p.175f). Tacitus (Buch XII, 3) beschreibt ausführlich, wie unter dem Einfluss der Agrippina der sonst von Claudius geschätzte L. Silanus in Ungnade fiel, aus dem Senatorenstand ausgestoßen und die Verlobung Ende 48 n. Chr. aufgelöst wurde. 

 

Vor der Eheschließung mit Claudia/Octavia wurde Nero durch Claudius adoptiert. Da Nero noch nicht volljährig war, erfolgte die Adoption durch das Verfahren der datio in adoptionem, die Aufnahme in die gens Claudia erfolgte durch eine lex curiata (Tacitus Buch XII, 25), sein neuer Name lautet Nero Claudius Drusus Germanicus Caesar. Tacitus schreibt dazu: „Unter dem Konsulat des C. Antistius und M. Suillius (= 50 n. Chr.) wurde die Adoption des Domitius auf Betreiben des Pallas beschleunigt. Dieser, mit Agrippina als Vermittler ihrer Ehe eng verbunden und auch bald in ein ehebrecherisches Verhältnis mit ihr verstrickt, trieb Claudius an, sorgen solle er doch für das Wohl des Staates und dem Knaben Britannicus eine starke Persönlichkeit zur Seite stellen. So hätten auch bei göttlichen Augustus, obwohl er sich auf Enkel habe stützen müssen, die Stiefsöhne in hohem Ansehen gestanden; von Tiberius sei neben seinem leiblichen Sohn auch Germanicus adoptiert worden; auch er solle den jungen Mann zu sich heranziehen, der einen Teil seiner Sorgen übernehmen könne. Durch diese Gesichtspunkte überzeugt, stellte er den 3 Jahre älteren Domitius über den eigenen Sohn (Nero war 12, Britannicus 9 Jahre alt), hielt auch im Senat eine Rede in dem gleichen Sinn, wie er es sich von dem Freigelassenen hatte sagen lassen“. 

 

Tacitus weiter (Buch XII, 26) „Im Übrigen sagte man dem Princeps Dank, mit besonders gesuchter  Schmeichelei gegenüberüber Domitius; auch beantragte man ein Gesetz, wonach er in die Familie der Claudier mit dem Namen Nero aufgenommen werden solle. Eine Rangerhöhung erfuhr auch Agrippina durch den Beinamen Augusta. Nach diesen Vorgängen war niemand so bar allen Mitleids, das ihn nicht des Britannicus Schicksal mit Betrübnis füllte. Allein gelassen, allmählich sogar von der Dienerschaft, musste er die ganz unangebrachten Liebesbeweise seiner Stiefmutter als Spott ansehen, da er den Trug durchschaute. Er soll nämlich von der Naturanlage her nicht stumpf gewesen sein, ob das nun wirklich so war oder ob er, den seine gefährliche Lage beliebt machte, diesen Ruf behielt, ohne dass er erprobt worden wäre“.

 

Die Stellung des Nero als designierter Nachfolger des Claudius wurde weiter gefestigt. Tacitus schreibt dazu (Buch XII, 41): “Unter dem 5. Konsulat des Ti. Claudius und dem des Servius Cornelius Orfitus (= 51 n. Chr.) wurde die Männertoga an Nero vorzeitig verliehen (Nero war 13 Jahre alt; die toga virilis hätte er erst mit dem 14. Lebensjahr – also frühestens am 15. Dezember 51 n. Chr. verliehen bekommen dürfen), damit er zur Übernahme von Staatsgeschäften fähig erscheine. Und der Kaiser fügte sich den kriecherischen Anträgen des Senats willig, wonach Nero im 20. Lebensjahr das Konsulat antreten, inzwischen designiert die prokonsularische Gewalt (das Mindestalter für ein Konsulat lag unter Augustus bei 33 Jahren) außerhalb der Stadt innehaben (imperium proconsulare extra urbem) und den Titel Führer der Ritterzenturien (princeps iuventutis) erhalten solle. Zusätzlich verteilt wurden in seinem Namen ein Geldgeschenk für die Soldaten und eine Spende für das Volk. Und bei dem Zirkusspiel, das gegeben wurde, um ihm die Gunst der Masse zu gewinnen, fuhren Britannicus in der Purpurtoga, Nero im Triumphgewand vorüber: sehen sollte das Volk diesen in Schmuck des Imperators, jenen in der Knabenkleidung und sich entsprechend von der Rangstellung beider im Voraus ein Bild machen. Zugleich wurden die Zenturien und Tribunen, die das Geschick des Britannicus bedauerten, aus frei erfundenen Gründen entfernt, andere auch unter dem Vorwand der Beförderung“.

 

Dem Bericht des Tacitus ist zu entnehmen, dass Nero im März 51 princeps ivventutis und designierter Consul mit Amtsantritt bei Vollendung des 20. Lebensjahrs wurde (NERONI CLAVDIO DRVSO GERM COS DESIGN). Die Ritterschaft schenkte Nero Schild und Speer (EQVESTER ORDO PRINCIPI IVVENT). Als Nero 14 wurde, im Dezember 51 n. Chr., wird er als überzähliges Mitglied in die vier Priesterkollegien aufgenommen (Klemke 1982).


Agrippina nutzt weitere Gelegenheiten, ihren Sohn in der Öffentlichkeit als potentiellen Nachfolger zu positionieren. Cassius Dio (Epitome zum Buch 61; Zonaras 11,11 p.20-21) schildert die folgende Begebenheit: „In der Folgezeit erkrankte Claudius, Nero aber begab sich in den Senat und versprach ein Pferderennen, falls der Kaiser wieder gesund werde. Agrippina ergriff nämlich jede Gelegenheit, um Nero populär zu machen und die Vorstellung zu erwecken, dass nur er alleine als Regierungsnachfolger in Frage komme. Aus diesem Grund ließ sie ihn auch Pferderennen, auf das die Römer besonders versessen waren, für den Fall einer Genesung des Claudius versprechen, die sie nun freilich ganz und gar nicht wünschte.“

 

Im Jahr 53 n. Chr. wurde die Ehe zwischen Nero und Claudia verzogen (Tacitus Buch XII, 58). Da eine Hochzeit zwischen Geschwistern nicht möglich war, musste Claudia zuvor in eine andere Familie – der Octavier - adoptiert werden, und hieß seitdem Octavia.

 

Nach Tacitus (Buch XII, 67) wurde der Gifttod des Claudius zunächst geheim gehalten. Agrippina hielt die Kinder des Claudius unter Obhut und ließ alle Zugänge durch Wachen versperren. Tacitus weiter (Buch XII, 69): “Dann, am Mittag des 13. Oktober (54 n. Chr.), werden plötzlich die Tore des Palatiums geöffnet, und in Begleitung des Burrus (Sextus Afranius Burrus, Präfekt der Prätorianer) tritt Nero heraus zu der Kohorte, die nach militärischer Sitte den Wachdienst versehen. Dort wird er auf einen Hinweis des Präfekten mit Heilrufen empfangen und in eine Sänfte gesetzt. Gezögert hätten einige, sagt man, indem sie sich umsahen und fragten, wo Britannicus sei: dann aber, als niemand ein abweichendes Verhalten veranlasste, folgten sie dem Beispiel, das ihnen geboten wurde. Nero wurde in die Kaserne getragen und, nachdem er eine der Lage angemessene Rede gehalten hatte und ein Geschenk nach dem Vorbild der väterlichen Freigiebigkeit versprochen hatte, als Imperator begrüßt.“

 

Warum der relativ plötzliche Gifttod des Claudius aus der Sicht der Agrippina notwendig wurde, kommentiert Sueton (Claudius, 43) folgendermaßen: „Gegen Ende seines Lebens hatte er klar zu erkennen gegeben, dass er die Ehe mit Agrippina und die Adoption des Nero bereue; …Und als gleich darauf ihm Britannicus entgegenkam, umarmte er ihn recht fest und ermahnte ihn, erwachsen zu werden und ihm seine Rechtfertigung für sein Tun entgegenzunehmen….Als er einmal entschlossen war, dem noch zu jungen und noch zarten Britannicus die Toga zu verliehen, da es seine Statue ja zulassen, fügte er hinzu: „Damit das römische Volk endlich einen echten Kaiser hat“. Nicht lange danach fasste er auch sein Testament ab und ließ alle Beamten mit ihrer Unterschrift gegenzeichnen. Bevor er noch weiter voranschreiten konnte, kam ihm Agrippina zuvor“. Tacitus ergänzt in seinem Kapitel über die Machtübernahme Neros, dass im Rahmen des Leichenbegräbnisses das Testament des Claudius nicht verlesen wurde, „damit nicht die Bevorzugung des Stiefsohnes gegenüber dem Sohn als Unrecht und Gehässigkeit im Volk Unruhe hervorrufe“. (Buch XII; 69).

 

Über das unveröffentlichte Testament des Claudius wird viel diskutiert und spekuliert (Meise 1969: p.186, Fußnote 30 mit Zusammenstellung der Hypothesen). Alleine die Tatsache der Unterdrückung der Verlesung des Testaments spricht dafür, dass Britannicus darin bedacht wurde. Aber auch dem Claudius hätte klar sein müssen, dass ein Durchdrücken des Britannicus als alleiniger Erbe politisch gegen den Willen von Agrippina und ihrer Helfershelfer nicht mehr möglich gewesen wäre. Es spricht also mehr dafür, dass Britannicus allenfalls in der Erbfolge mit Nero gleichgestellt wurde. Dazu hätte Britannicus allerdings zuvor die toga virilis und ein öffentliches Amt erhalten müssen.


Die Regierungszeit des Kaiser Nero sollte 13 Jahre und 8 Monate andauern (+ 9. Juni 68 n. Chr.), genau so lange wie die von Kaiser Claudius.