Denar  3.68 g  geprägt in Rom/Lyon: 41/42 n. Chr.

Vorderseite: TI CLAVD CAESAR AVG P M TR P

Tiberius Claudius Caesar Augustus Pontifex Maximus Tribunicia Potestate. Büste des Claudius mit Kranz n.r.

 Rückseite: PRAETOR RECEPT

Praetorianis Receptis. Aufnahme der Praetorianer (in das Treuebündnis). Claudius steht in einer Toga gekleidet mit dem Rücken zum Betrachter, er reicht die rechte Hand zu einem gegenüberstehenden Prätorianer (signifer) mit dem charakteristischen Tierfell als Kopfbedeckung (pellis), ein Schild an der linken Seite hängend, und den Legionsadler (aquila) in der linken Hand haltend. Lopez -Sanchez & Hollard (2010) erkennen im Prätorianer einen Soldaten der germanischen Leibwache.

Katalog: RIC 12; Provenienz: Privatbesitz (erworben 2008)

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Münzprägung unter Kaiser Claudius - Eine Übersicht


Unter Augustus wurden Gold- und Silbermünzen in Lugdunum (Lyon) geprägt, unter direkter imperialer Kontrolle unabhängig vom Magistrat (Wolters, 2012). Mit der Münzreform unter der Herrschaft von Nero (die Gewichte der Gold- und Silbermünzen wurden reduziert, der Legierung des Silbers wurde mehr Buntmetall zugemischt; Wolters, 1999: p.375f) fand die Edelmetallprägung in Rom statt.

 

Unklar ist, ob die Prägeanstalt für Edelmetallmünzen schon vor der Münzreform Neros von Lyon nach Rom – also schon in der Regierungszeit des Claudius - verlegt wurde (zur Diskussion siehe RIC p.102ff; Sutherland, 1976: p.61ff; v. Kaenel, 1986: p.210ff; Metcalf, 1989; Giard, 2000: p.22f; Wolters, 1999: p.61-84; Wolters, 2012: p.338f). Heute scheint mehr dafür zu sprechen, dass Lyon in der Regierungszeit des Claudius weiterhin als Prägeanstalt für die Edelmetallprägung (aurei, denarii) fungierte, während die Bronze-Kupfer-Prägungen zur „Kleingeld“-Versorgung Roms und des westlichen römischen Reiches in Rom bzw. in vielen zum Teil nicht näher identifizierten Hilfsprägestätten stattfanden (Wolters, 1999: p.61-85).


Es soll an dieser Stelle jedoch nicht die Studie von v. Kaenel (1986) unerwähnt bleiben, der die gesamte claudische Edelmetallprägung der Münzstätte Rom zuweist. In seiner Stempelanalyse identifiziert v. Kaenel verschiedene Graveure (vor allem die Graveure IV und V), die offensichtlich für Claudius und seinem Vorgänger Caligula gearbeitet haben müssen, als auch an der Gestaltung der Eichenkranz-Rückseite (Münztyp 5 nach v. Kaenel) arbeiteten. Er kann keinen „Stilbruch“ in der Gestaltung des caliguläischen und frühen claudischen Münzprogramms erkennen, der wohl zu erwarten gewesen wäre, wenn die Münzstätte von Lyon nach Rom verlegt worden wäre. Als weiteres Argument führt v. Kaenel (1986: p.210ff) an, dass einige Graveure wohl Stempel für die Edelmetallprägung als auch Aesprägung schnitten; da die claudische Aes-Prägung – wenig widersprochen – der Münzstätte Rom zuzuordnen ist, unterstützt dies nach Meinung von v. Kaenal auch die Münzstätte Rom für die Edelmetallprägung.


Ein interessanter Aspekt ist, dass Gold- und insbesondere Silbermünzen wahrscheinlich mehr zur Bezahlung des Soldatensolds verwendet wurden, und damit im gesamten römischen Reich zirkulierten (bei ca. 25-30 Legionen), während die Bronze-/Kupfer-Prägungen eher lokal für den „Volks“-Alltag bestimmt waren (Sutherland 1976: p.15). Der Silberhaltige-Denar gehörte zu den verbreitesten „Top-Währungen“ im römischen Reich (von Reden, 2012; p.273). Dieser Gedankengang impliziert, dass mit den Motiven der Gold-/Silbermetallprägungen, und der Bronze-Kupferprägungen möglicherweise unterschiedliche Bevölkerungsgruppen adressiert wurden (oder werden sollten).

Allerdings ist historisch nicht gesichert, in welchen Münzen Legionäre 3mal im Jahr ihr stipendia ausgezahlt wurde. Plausibel wäre jedoch, dass z.B. ein centurio legionis mit einem Jahreslohn von 13.500 Sesterzen (zur Zeit des Augustus) keine Bronze- sondern Edelmetallmünzen erhielt (Speidel, 1992). Diese Ansicht wird auch von van Heesch (2014) vertreten, der Hinweise dafür fand, dass der Lohn der Legionäre sowohl im Westen als auch im Osten (mit der Ausnahme Ägypten) in Gold und Silbermünzen bestand, und nur gelegentlich durch lokale Silber-Prägungen ergänzt wurde. Vor diesem Hintergrund wäre es interessant, die verschiedenen Motive in der Edelmetallprägung im Vergleich zur Aes-Prägung zu betrachten, da möglicherweise unterschiedliche Zielgruppen angesprochen werden (sollten). Dieser Gedankengang von Zielgruppen wurde von Hölscher (1984), Lummel (1991) und später von Metcalf (1993) und Hekster (2003) aufgegriffen, die letzteren sahen einen Zusammenhang zwischen dem Nominal und Zielgruppen (Volk, Armee, Führungsschicht-Senat, ggf. Provinz) und zogen diesen zur Interpretation der Münzmotive heran. Tatsächlich konnte Kemmers (2006) in ihrer Dissertation am Beispiel von Fundmünzen in einer Befestigung und umgehenden Siedlungen in Nijmegen demonstrieren, dass die Münztypen, die zur Auszahlung an die Legionäre verwendet wurden, mehr militärische Motive aufwiesen. Eine Gegenüberstellung der Münzmotive der Edelmetall- und Aes-Prägungen unter Claudius wird weiter unten aufgegriffen, nachdem die Reichsprägungen vorgestellt wurden. Die Thematik Nominale-Zielgruppen mag für die Münzprägung in der Provinz von geringerer Bedeutung sein, da hier in der Regel lokal nur Bronze-Kleingeld geprägt wurde, und eher praktische Erwägungen wie Handhabbarkeit im Vordergrund gestanden haben könnten (Filges, 2005).


Die regulären Prägungen von „Kleingeld“ aus Bronze (-Legierungen) und Kupfer erfolgten im westlichen Teil des Reiches in der zentralen Prägeanstalt in Rom, und in mehreren zusätzlichen Hilfsprägestätten in Spanien, Gallien, Germanien und Britannien, die zur Regierungszeit des Claudius die Bronze-/Kupfer-Prägungen aus Rom in unterschiedlicher Qualität kopierten.



Provinzialprägungen

Im östlichen Teil des römischen Reiches waren im Gegensatz zum westlichen Teil eine Vielzahl lokaler und regulärer Prägestätten bekannt. Zur Regierungszeit der Julio-Claudischen Kaiser waren  ca. 260 Prägestätten im Osten bekannt (Heuchert, 2005). Die Mehrzahl an Münzen bestanden aus Kupfer/Blei/Zink-Legierungen (auch Orichalcum genannt) und aus Kupfer (zusammengefasst als sogenannte Aes-Prägungen zur Unterscheidung zu den Edelmetallprägungen). Warum sich eine reguläre Aes-Prägung im westlichen Teil des römischen Reiches nach und nach weitgehend auf eine zentrale Prägeanstalt (Rom) konzentrierte, im östlichen Teil des Reiches dagegen nicht, ist unklar (Howgego et al., 2005; Katsari, 2011)


Angenommen wird, dass zur Zeit des Claudius (ab 45 n. Chr.) auch die zuletzt verbliebene größere kaiserliche Prägestätte im Westen, Ebusus in Spanien, ihre Prägeaktivität einstellte (RPC, p.18-19). Burnett (2005) diskutiert diese Entwicklung als Folge einer kulturellen Bewegung, einer zunehmenden Romanisierung, so dass die Notwendigkeit für eine lokale Identität im Westen durch eigene Nominale und Münztypen nicht mehr gesehen wurde.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass im Osten dieser kulturelle Romanisierungs-Prozess entweder wesentlich langsamer verlief, oder schlichtweg nicht verfolgt wurde.


Allerdings ist die Diskussion um „reguläre kaiserliche“ Prägestätten noch nicht abgeschlossen. Anhand einer Stil-Analyse von Münzabbildungen aus Museen und aus Verkaufskatalogen vermuten Banti & Simonetti (Band XI, p.83f) neben Rom und Lyon auch Caesaraugusta in Spanien als Prägestätte für zumindestens einige der Edelmetallmünzen (Münzen für Nero Drusus und Antonia). Diese Sichtweise erfuhr durch die Analyse von Münzfunden in Spanien weiteren Auftrieb. So scheinen zwei kaiserliche Prägestätten im Nordosten Spaniens und in Tarragona Edelmetallmünzen und in großer Menge auch Aes-Münzen, zu mindestens zum Beginn der Regierungszeit 41 und 42 n. Chr. nach vorgegeben Motiven hergestellt zu haben (Besombes, 2005).


Warum eine zentrale Regierungsmacht wie das Prinzipat in Rom mit ihren Statthaltern diese Vielfalt an lokalen Münzprägungen im östlichen Teil des Reiches nicht abschaffte, oder zu mindestens dafür sorgte die Nominale zu vereinheitlichen, lässt sich nur vermuten. Möglicherweise ließ die römisch-provinziale Politik bewusst eine Münzautonomie im Osten zu, um mit der städtischen Münzprägung die lokale Identität zu wahren, und ggf. einen Wohlstand der Führungsschicht (und damit deren Befrieden) vor Ort zu ermöglichen (Filges, 2015: p.19 Anm. 140).


Charakteristisch für die römischen Ostprovinzen war das Gewähren von Prägungen mit Bezug zu lokalen Begebenheiten, Heiligtümern, Gründungs-mythen, Sitten, Magistraten und Gebäuden, wobei die Vorderseite in der Regel einen Bezug zum Kaiser oder Mitgliedern der Kaiserfamilie hatte.  Die Gestaltung der Vorder- und Rückseite in der Provinzialprägung erlaubt verschiedene Kombinationen (Howgego, 2005). Die "Norm" war wahrscheinlich eine Kombination aus einem kaiserlichen Porträt (bzw. Angehörigen der kaiserlichen Familie) auf der Vorderseite, und einem lokalen Beitrag auf der Rückseite, in der Regel beide Seiten in griechischer Sprache, der Sprache des Ostens. Dieser lokale Bezug auf der Rückseite konnte vielgestaltig sein, und umspannte Themen der religiösen Identität einer Region (z. B. Kult der Diana/Artemis in Ephesos; siehe RPC 2222 und 2224), lokale Monumente (z. B. Tempel ROM ET AVG in Pergamon, RPC 2221) oder lokale historische/mythische Ereignisse (z.B. Alexander der Große als Begründer der Stadt Aigeai/Kilikien; RPC 4036). Dabei wurde dieser Münztyp nicht nur von einzelnen Städten geprägt, sondern auch von sogenannten koina, d.h. regionalen Städteverbünden, denen die Durchführung kaiserlicher Kulthandlungen oblag. Einzelne Städte, die über einen oder mehrere Tempel für kaiserliche Kulthandlungen verfügten, wurden neokoroi genannt und verwendeten in der Münzgestaltung häufig Tempelmotive (Burrell, 2004).


Die Provinzialmünzen ohne Bezug zur Person des Kaisers oder kaiserlichen Familie werden „pseudoautonom“ genannt; häufig werden personifizierte Bilder des Senats von Rom oder die Göttin Roma verwendet (z. B. RPC 2373 aus Pergamon), einige wenige „freie“ Städte wie Athen, Chios oder Rhodos oder priviligierte Städte wie Tyros verwendeten eigene Motive. Allerdings impliziert der Begriff „pseudoautonom“ eine Art Unabhängigkeit von Rom, und sollte daher nach Ansicht einiger Autoren vermieden werden (Johnston 1985): so zeigt zum Beispiel auch ein Quadrant aus Rom kein Kaiserporträt , und – so Amandry (2012) – keiner käme auf die Idee diese Münzen als pseudoautonom zu klassifizieren. Eine dritte Kombination bestand aus kaiserlichen Motiven sowohl auf der Vorder- wie Rückseite. Diese Münztypen verwendeten in der Regel Latein anstatt von Griechisch, und wurden von Kolonien und municipia (z. B. Berytus, RPC 4546) oder direkt von Rom eingesetzten abhängigen Fürsten verwendet.
 

In wieweit die Münzprägung in den Provinzen unter der Aufsicht des Kaisers und seiner Stellvertreter stand, ist unklar. In diesem Zusammenhang wird gerne eine Äußerung von Cassius Dio zitiert (Buch 52, 30.9), der in einem fiktiven Gespräch zwischen Maecenas und Agrippa sagen läßt: Keiner Stadt sollte ferner erlaubt sein, ihre besondere Münze oder ihr eigenes Gewichts- und Maßsystem zu besitzen, sie sollen sich vielmehr alle unserer Maße bedienen. Eine umfassende kaiserliche Kontrolle wird heute jedoch verneint und die Provinzialprägung eher im Spannungsfeld zwischen lokaler Identität und zunehmender Romanisierung diskutiert (Weiss, 2005). Viele Münzen tragen den Namen lokaler Magistrate, und eine gewisse „Freiheit“ in der Gestaltung des Münz-Designs ist offensichtlich. Heuchert (2005) führt einzelne Beispiele dafür an, dass ein Magistrat persönliche Motive in die Gestaltung einer lokalen Münze mit einfließen lassen konnte (p. 41). Jedoch nur dreimal ist unter der Regierungszeit des Claudius bekannt, dass das Porträt eines Gouverneurs/Magistrats auf einer lokalen Münze geprägt wurde (Pythes Pythou auf einer Bronzemünze aus Laodiceia, Region Phyrgien (RPC 2902); M. Annius Afrinus auf zwei Bronzemünzen aus der Provinz Galatien (RPC 3543 und RPC 3557); Q. Veranius auf einer Bronzemünze aus Kibyra, Region Phrygien, wobei die abgebildete Person als auch die Zuordnung zur Regierungszeit des Claudius unsicher ist (RPC 2889)).

Eine weitere seltene Kombination ist ein Mitglied der kaiserlichen Familie und das Portrait eines lokalen Königs (RPC1926: Britannicus/Cotys I; RPC3814: Polemo II/Claudius; RPC3837 und 3838: Polemo II/Britannicus) oder Bronzemünzen mit einem Portrait eines befreundeten Königs mit Bezug zu Claudius (RPC4777-4780: Herodes, Bruder des Agrippa I; RPC4985, 4986: Agrippa I; RPC4987: Agrippa II).
 

Die Provinzialprägungen im Osten waren größenteils Aes-Prägungen. In einigen Fällen wurden jedoch  auch  Silbermünzen geprägt, u.a. in Caesarea in Kappodokien, Ephesus und Pergamon in der Provinz Asia, in Lykien-Pamphylia, Antiochia ad Orontes und Tyros in Syrien, Alexandria in Ägypten und in Kreta (als kistophoroi, Drachmen, Didrachmen und Tetradrachmen). Die Silbermünzen aus Tyros wurden über einen Zeitraum von 191 Jahren geprägt, auch zur Regierungszeit des Claudius. Tyros prägte seit dem Jahr 126 v. Chr. überwiegend Shekel und Halb-Shekel aus Silber, die infolge des hohen und konstant gehaltenen Silbergehaltes (>92%) zeitweilig als eine Art Standard-Währung zur Entrichtung der Tempelsteuer in Jerusalem zugelassen wurden (Mildenberg, 1985), obwohl die Vorderseite ein Götzenbild (der phönizische Gott Melkart bzw. Herakles) darstellte.


Die Nominale als auch deren Wert im Vergleich zu den Prägungen aus Rom/Lyon der vielen lokalen Prägestätten sind heute häufig nicht ganz eindeutig. Die cistophori aus Kleinasien entsprachen im Wert wahrscheinlich einer tetradrachme bzw. drei denarii, die Didrachmen, Drachmen und Hemidrachmen aus Caesarea (Kappodokien) entsprachen wahrscheinlich zwei, einem bzw. ½ denarius (Mattingly, BMC, liii).

In der griechischen Legende wird der Name des Claudius in der Regel im Nominativ angeben, das Ethnikon auf der Rückseite in der Regel im Genitiv. Münzen mit dem Portrait des Kaiser Claudius zeigen keine identischen, aber dennoch überraschend ähnliche Bildnisse. Es erscheint wahrscheinlich, dass die vielen Münzstätten auch auf ähnlich aussehende Abbildungen zurückgreifen konnten (oder mussten?). Denkbar wäre, dass nach der Machtergreifung „offizielle Abbildungen“ in alle Provinzen verschickt wurden. Meriwether Stuart (1939) analysierte die Datierung von Claudius-Portraits/Abbildungen in der Provinz. Claudius war kein designierter Herrscher, so existierten auch nur einzelne Portraits von ihm schon vor seiner Machtergreifung (z. B. in Ticinium, Pola und Alexandria Troas). Im Gegensatz zu seinen Vorgängern war die grösste Verbreitung seiner Portraits erst mit der Machtübernahme erkennbar: von 59 datierbaren Bild-Inschriften stammen alleine 21 aus den Jahren 41 bis 43 n. Chr., anschließend wurden es von Jahr zu Jahr weniger bis zum Regierungsjahr 48/49 n. Chr. Nach der Hinrichtung von Messalina nahm die Zahl von datierbaren Claudius-Portraits/Inschriften wieder zu. in der Regel sind die Legenden in griechischer Schrift, in wenigen Fällen auch in lateinischer Schrift. Eine Kombination aus griechischer und lateinischer Legende ist dagegen relativ selten (Provinz Zypern: RPC3927, RPC3928, RPC3929, RPC3930, RPC3931, RPC3932, RPC3933; Antiochia, Syrien: RPC4276, RPC4278 und Caesarea Maritima: RPC4858).


Hinsichtlich der Nachfolge Nero/Britannicus ist anzumerken, dass in den östlichen Provinzen nur wenige Prägestätten existierten, die in ihrem Münzprogramm beide Thronanwärter gleichberechtigt darstellten:


Hippo Diarrhytus (Afrika): Fragliche Münzstätte. Bisher bekannt ist nur eine einzigartige Münze mit den Porträts von Nero und Britannicus auf jeweils der Vs. und Rs., publiziert durch Lederer (1943). RPC- , Münze bedarf der Bestätigung


Korinth: Unter dem Duumviri L.Paconius Flam und Cn. Publicius Regulus wurden 3 Münztypen geprägt. Einmal ist Claudius (RPC 1182) auf der Vorderseite zu sehen, zweimal Agrippina (RPC 1183, RPC 1184). Das Rückseitenmotiv ist nahezu identisch: zwei Männer in einer Toga stehen sich gegenüber, die vordere Figur reicht die linke Hand, ob die hintere Figur ebenfalls die linke Hand ausstreckt, ist nicht eindeutig zu erkennen. Die Namen der beiden Prinzen werden im Feld mit NE und BR abgekürzt. Im Design des Rückseitenmotivs erscheinen beide Prinzen gleichberechtigt.


Colonia Felix Iulia, Sinope: geprägt wurden 2 Münztypen mit den beiden Nachfolgern. Ein Münztyp zeigt ein Doppelporträt der beiden Prinzen, die beide nach links blicken; das Rückseitenmotiv zeigt zwei gekreuzte Füllhörner mit einem Caduceus (RPC 2132). Das zweite Exemplar (RPC 2135) zeigt getrennt jeweils die bekränzten Büsten von Nero und Britannicus auf der Vorder- und Rückseite. Bei beiden Münztypen ist in der Darstellung der beiden Prinzen kein Unterschied offensichtlich.


Pergamon (Region Mysia): Die Bronzemünze (RPC 2371) zeigt auf der Vorder- und Rückseite jeweils die barhäuptigen Büsten der beiden Prinzen, die Legenden sind im Format identisch. In der Darstellung der beiden Prinzen ist kein Unterschied offensichtlich, allenfalls erscheint Britannicus etwas zierlicher/kleiner.


Assos (Region Troas): Die Bronzemünze (RPC-) ist im RPC nicht mit aufgeführt worden, und möglicherweise unsicher. Imhoof-Blumer (1915) und Babelon (1960) listen dieses Exemplar (mit Hinweis auf den Katalog Mionnet tome II, p523, Nr.60; ohne Abbildung). Es ist fraglich, ob diese Münze existiert. Die Porträts von Nero und Britannicus blicken sich gegenseitig an, die Legende mit NERWN KAI BRITAN wäre sonst eindeutig.



Provinz Ägypten- Prägestätte Alexandria


Nach der Niederlage in der Schlacht bei Actium im Jahr 31 v. Chr. und dem Selbstmord von Kleopatra VII wurde Ägypten eine kaiserliche Provinz. Aegyptum imperio populi Romani adieci (sinngemäß: Ich habe Ägypten dem Herrschaftsbereich des römischen Volkes hinzugefügt) berichtet Augustus schlicht in seinem Tatenbericht (Res gestae, 27). Er verschweigt, dass er eine direkte Kontrolle über diese „Provinz“ ausübte, er selbst ernannte den praefectus Aegypti aus dem Kreise der Ritter, und behielt sich die Genehmigung zur Einreise und Aufenthalt in diese Provinz für römische Senatoren und Angehörige der Kaiserfamilie vor. Seine Julisch-Claudischen Nachfolger hielten ebenfalls an dieser Praxis fest. Milne (1927) sah in dieser „Isolation“ Ägyptens den wichtigsten Grund für eine für das übrige römische Reich so eigenwillige Münzprägung. Anhand von Fundmünzen lässt sich schliessen, dass in Ägypten nur alexandrinische Münzen verwendet wurden, die außerhalb von Ägypten nur selten zu finden waren (Gölitzer 2004;p81f). 

 

Unter der Regierungszeit des Claudius wurden Silbermünzen (Tetradrachmen) geprägt, im Regierungsjahr 3 (42/43 n. Chr.) auch kleinere Silbernominale (Didrachmen und Drachmen). Die Zahl der gefundenen kleineren Silbernominale ist jedoch so gering, dass viele Autoren in dieser Münzserie eine Art „Experiment“ sehen, das rasch wieder beendet wurde (RPC p700).  Bronzemünzen wurden nahezu kontinuierlich geprägt, es wurden 4 Nominale unterschieden (10mm=Chalkum, 15mm=Dichalkum, 20mm=Obol und 25mm=Diobol).

 

Die Münzen sind mit einer Datumsangabe versehen, die dem Regierungsjahr entsprechen. Dabei entsprach die Zeitspanne der Thronbesteigung bis zum ägyptischen Neujahrstag (29. August bzw. 30. August im Schaltjahr) dem 1. Regierungsjahr (Geissen 2012). Die Datumsangabe beginnt mit dem Buchstaben „L“ (letous = im Jahr; Dietrich 1969), gefolgt vom Regierungsjahr (Alpha=1, Beta=2, Gamma=3 usw.).

 

Im Münzprogramm unter Claudius wurden in den Regierungsjahren 8 und 9 (47/48 und 48/49 n. Chr.) keine Münzen geprägt. Das Münzprogramm erfährt ab dem 10. Regierungsjahr (49/50 n. Chr.) eine deutliche Änderung: es wurden keine Silbermünzen mit den Motiven Messalina oder Antonia mehr geprägt, die Rückseitenmotive der Aes-Münzen änderten sich im Vergleich zu den vorherigen Jahren, und Aes-Münzen mit dem Abbild der Agrippina wurden geprägt. Zum Zeitpunkt des Wechsels im Münzprogramm war Gn. Vergilius Capito praefectus Aegypti. Er stammte aus Milet, und war vor seinem Dienst in Ägypten procurator Asiae (Pflaum 1960). Von ihm erhalten sind ein Edikt aus dem Jahr 48 n. Chr. gegen den Amtsmissbrauch, eingemeißelt in den äußeren Torbogen des Hibis Tempels in der El Khargeh Oase westlich von Theben (Lewis 1954) sowie Inschriften-Hinweise für die Stiftung von verschiedenen Bauten auf der Insel Kos (Eck 1995) und insbesondere Milet (Mitchell 1987; Sturgeon 2004). Es ist nicht bekannt, inwieweit er während seiner Amtstätigkeit in Ägypten Einfluss auf die Gestaltung des Münzprogramms genommen hat (Brunt 1975).

Ein Teil der Motive für die Aes-Prägungen sind typisch für die Provinz (Krokodil, Apis-Stier; Kornähren mit und ohne Merkurstab (caduceus) symbolisieren die Kornkammer Ägyptens).



Edelmetallprägungen in Lyon/Rom

Eine Reihe von Monographien und Aufsätzen fokussieren auf die Edelmetall-Münzprägung zur Regierungszeit von Claudius in Lyon/Rom, u.a. seien hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit genannt: Fischer, T.: Bemerkungen zur spätclaudischen Münzprägung (1967); Salzmann, D.: Beobachtungen zur Münzprägung und Ikonographie des Claudius (1976); Sutherland C.V.H.: The Emperor and the Coinage. Julio-Claudian Studies (1976); Trillmich W.: Familienpropaganda der Kaiser Caligula und Claudius, Agrippina maior und Antonia Augusta auf Münzen (1978); v. Kaenel H-.M.: Münzprägung und Münzbildnis des Claudius (1986), Szaivert W.: Die Münzprägung des Claudius I (1987), v. Kaenel H.-M. : Zur „Prägepolitik“ des Kaisers Claudius (1994), sowie eine Magisterarbeit zu dieser Thematik von J. Lorenz, 2009.


Edelmetallgewicht/Nominale

Das durchschnittliche Gewicht für die Edelmetallprägung in Rom blieb im Vergleich zur Prägung des Vorgängers relativ stabil (RIC, p.114):

 

aurei      7.65 - 7.80 g  (Gold)

denarii   3.60 – 3.85 g (Silber)

 

Das durchschnittliche Goldgewicht der aurei sank im Verlauf des Principats geringfügig von 7.726 g (Emissionen aus den Jahren 41/42 n. Chr.) auf 7.631 g (Emissionen aus den Jahren 51/52 n. Chr.) (Burgers, 2001: p.102). Geringfügig sank ebenfalls auch das Gewicht der denarii (bei gleichbleibendem Silbergehalt von 98.00%) von durchschnittlich 3.65 g auf 3.60 g (Walker, 1976; zitiert nach Burgers, 2001).


Die Nominale entsprachen:

 

1 Aureus (Gold)                = 25 Denarii (Silber)

1 Denar                              = 4 Sesterzen (Bronze)

1 Sesterz                             = 4 Asse (Kupfer)

1 Dupondius (Bronze)    = doppeltes AS

1 Ass                                    = 2 Semisse (Kupfer)           =  4 Quadrans (Kupfer)

 

Ein Aureus entsprach nominal demnach 400 Assen oder 1600 Quadrans. In geringem Umfang wurden im ersten Regierungsjahr des Claudius auch Gold-Quinare (halber Aureus) ausgeprägt, die vielleicht besonderen Anlässen vorbehalten waren. Zur Regierungszeit des Claudius betrug der Jahreslohn eines gewöhnlichen Legionärs etwa 225 denarii, der Tageslohn eines Arbeiters etwa 1 denarius, der Preis eines Becher Wein betrug ca. 1 as, und der Eintritt in das öffentliche Bad ca. 1 quadrantus (Szaivert & Wolters, 2005; siehe auch van Heesch, 2007 zum Thema Lohn und Bezahlung).


Münzmotive

Die frühere Vorstellung, Münzmotive dienten zur raschen Verbreitung der Gesinnung des Kaisers, als „offizieller Regierungsspiegel des Kaisers“( Schulz, 1925), also der Kommunikation zwischen Rom und seinen Provinzen - im Sinne einer offiziellen Urkunde oder einer „Tageszeitung“ („newspapers of the day“; C.H.V. Sutherland RIC I ), auf die der Kaiser persönlich direkten Einfluss nehmen konnte und die fast jedermann im ganzen Imperium Romanum erreichte (Trillmich, 1978: p.4) - ist nach heutiger Ansicht überholt (Wolters, 2012: p.342f ). Die Diskussion über die Möglichkeit, aus Münzmotiven auf historische Ereignisse und deren Hintergründe zu schließen, wurde durch einen Beitrag von Jones (1956) entfacht, der dieses Vorgehen schlichtweg in Frage stellte. Crawford (1983) sah in der Typenvielfalt das Ergebnis unabhängiger Stempelschneider, mit der Möglichkeit zum handwerklichen Experimentieren; inhaltlich waren die Motive allenfalls Folge einer generellen Direktive.

 

Dennoch, ohne Zweifel haben einzelne Münzmotive politische und gesellschaftliche Dimensionen, mit eindeutigen Bezügen zu aktuellen Ereignissen und Personen, auch wenn Absicht und persönliche Mitwirkung des Kaisers in der Münzgestaltung unbekannt sind und kontrovers diskutiert werden müssen (Sutherland, 1951, 1976, 1982, 1983; Levick, 1982, 1999; Crawford, 1983; Wolters, 1999: p.255ff; Alföldi 1999; Beckmann, 2009). Wolters (2012: p.342) diskutiert heute das Münzmotiv weniger als Information über ein Ereignis, als vielmehr als propagandistische gewollte Wahrnehmung eines Ereignisses. Diese Interpretation widerspricht einer früheren Auffassung von Howgego (1995: p.70f ), der eine auf bestimmte Personengruppen gezielte, d.h. eine propagandistische Münzprägung eher bezweifelte. Sein Hauptargument ist das Fehlen jeglicher Kommentierung dieser „Absicht“ durch zeitgenössische Schriftsteller, wie z. B. Cicero. 


Ob nun einzelne Münzmotive zu propagandistischen Zwecken geprägt wurden oder nicht bzw. der Ausdruck „propagandistisch“ im Zusammenhang mit Münzmotiven unglücklich gewählt ist, auf jeden Fall haben Münzmotive häufig einen Bezug zu militärischen Siegen, zu Personen oder anderen geschichtlichen Ereignissen (Cooke, 1781). Wahrscheinlich macht es aber weniger Sinn, eine gegebene Münze mit ihrem Motiv für sich alleine zu betrachten, als vielmehr den „Kontext“ zu verstehen, ggf. auch ein einzelnes Motiv im Rahmen eines „Münzprogramms“ zu stellen. Eine „moderne“ Motiv-Analyse sollte nach Meinung von Elkins (2009) verschiedene Aspekte bzw. Hintergründe berücksichtigen: einen numismatischen Kontext, einen historischen Kontext und einen archäologischen Kontext. Zunehmend etabliert sich eine mehr strukturierte Analyse von antiken Münzen mit dem Ziel, Ikonografie und Münzlegende zu „dekodieren“, wie es sich das LIN (Lexicon Iconographicum Numismaticae Classicae et Mediae Aetatis) Projekt zur Aufgabe gemacht hat (Caltabiano, 2018). Dabei sollte in der Interpretation Vorsicht geboten sein, und sich Analysen zu mindestens auf Münzen beschränken, die mehrfach gefunden wurden, und an deren Provenance/Echtheit kein Zweifel besteht (Stückelberg, 1915). Beckmann (2009) diskutiert noch einen weiteren Aspekt: Gold- und Bronzemünzen dienten mehr der Verbreitung von news, Denare eher nicht, da deren Motive einer kontinuierlichen Massen-Produktion dienlich waren. Auf grundsätzliche Überlegungen zum „Publikum“ bzw. „user“ von Münzprägungen wird auf die Literatur verwiesen (Hölscher, 1984; Zanker, 1987; Elkins, 2009; Woytek, 2018). Des weiteren scheinen Münzmotive einen gewissen Durchdringungsgrad gehabt zu haben, und fanden zum Beispiel vielfach Einzug in der Ausschmückung von Alltagsgegenständen wie Textilien, an Wänden oder Möbeln (Zanker P., 1987; zitiert nach Howgego, 1995:p.74).


Prägedatum

Die Aureus- und Denarprägungen, die die Titulatur des Claudius tragen, lassen sich zeitlich präzise einordnen (RIC p116; v. Kaenel, 1986: p.3f; Kienast, 2004: p.91). Ob die Datumsangaben jedoch mit einem Prägejahr gleichzusetzen sind, bleibt unbewiesen. Die folgende Tabelle dient der zeitlichen Zuordnung der Titulaturen (in Anlehnung an Sydenham 1917):


Jahr          TR P                          COS         IMP                           Andere

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41             TR P                                            II-III

42             TR P – TR P II         II*                                               PP

43             II-III                          III            IIII-VII

44             III-IV

45             IV-V                                           VIIII

46             V-VI                                           XI                             britannicus

47             VI-VII                       IIII           XIII-XIIII                censor

48             VII-VIII                                                                       censor

49             VIII-VIIII                 XVII

50             VIIII-X                                       XIX-XXI

51              X-XI                          V              XXII-XXIIII

52             XI-XII                                        XXVI-XXVII

53             XII-XIII

54             XIII-XIIII

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*Claudius war bereits cos suff im Jahr 37 (Degrassi, 1952; Smallwood, 1967: p.2)

 

Der dies imperii wird der 24. Januar 41 n. Chr. gewesen sein, die Zählung der Jahre der tribunicia potestas (und damit der Regierungsjahre) begann jeweils mit dem 25. Januar eines Jahres (Groag & Gaheis, 1899; Timpe, 1962: p. 77ff). Ein Beispiel: Die Legende TR P entspricht somit dem 1. Regierungsjahr 25.01.41 bis 24.01.42 n. Chr.; TR P VI entspricht dem 6. Regierungsjahr 25.01.46 bis 24.01.47 n. Chr.


Das „Durchzählen“ der Titel wurde unter Claudius jedoch nicht konsequent umgesetzt. So sind bisher keine Münzen mit dem Titel TR P II bekannt, und auf TR P folgt gleich TR P III. Auch wurde anfänglich die Anzahl an Proklamationen als Imperator nicht gezählt. Zum Ende der Münzprägung hin wurden keine höheren als die 18. Imperatorische Begrüßung erwähnt, die Akklamationen 19 bis 27 wurden nicht mehr in der Titulatur aufgenommen.


Die Versorgung aus Lyon/Rom mit aurei oder denarii fand nicht kontinuierlich statt. Nicht geprägt (bzw. es fehlen die Münzen mit der entsprechenden Datumsangabe) wurde in den Regierungsjahren 42/43, 45/46, 47/48 und 48/49 und in den letzten Jahren 52 bis 54 n. Chr. (RIC p.116; v.Kaenel ,1986: p.250).

Es wäre denkbar, wenn auch nicht beweisbar, dass diese scheinbaren „Lücken“ zur Prägung der undatierbaren Münzen (siehe unten; Münzen mit direktem Familienbezug) genutzt wurden. Die Münz-Motive wurden in der Regel gleichermaßen für aurei und denarii verwendet.


Die folgende Tabelle listet die verschiedenen Edelmetall-Emissionen und Motive für die einzelnen Prägejahre auf. Der chronologische Prägeablauf ist nicht überliefert, so dass er nur angenommen werden kann aufgrund der Analyse von Stempelgemeinsamkeiten und – koppelungen als auch von ikonografischen Merkmalen. Einzelne Versuche, eine chronologische Prägesymptomatik zu erstellen (v. Kaenel, 1986) haben zu heftigen Kontroversen geführt (Szaivert, 1987), insbesondere der Prägeablauf im ersten Regierungsjahr erscheint unklar. Ebenfalls unbeantwortet bleibt die Frage, warum der Ehrentitel pater patriae erst so spät in der Titulatur der Edelmetallprägung aufgegriffen wurde. Viele Hinweise sprechen dafür, dass dieser Ehrentitel im Januar 42 n. Chr. von Claudius angenommen wurde. In der Edelmetallprägung wurde dieser Titel jedoch erst ab der 9. Emission im Regierungsjahr 50/51 n. Chr. verwendet. Die folgende Tabelle stellt den Versuch einer Symbiose verschiedener Studien dar (in Anlehnung nach RIC p.116ff; v. Kaenel, 1986; Szaivert, 1987: p.64f; Wolters, 1999: p.72). Die Emissionen im Namen für Nero Drusus, Antonia, Agrippina und Nero Caesar werden in einer weiteren Tabelle zusammengefasst.
 

 

Regierungsjahr              Titulatur / Motive für Edelmetallprägung

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41/42                               1. Emission  TI CLAVD CAESAR AVG GERM PM TR P

           

                 Au/D               CONSTANTIAE AVGVSTI

                 Au/D               EX SC OB CIVES SERVATOS

                 Quinar            VICTORIA AVGVSTI (stehend)

                 Quinar            VICTORIA AVGVSTI (sitzend)

 

                                          2. Emission  TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P


                 Au/D              CONSTANTIAE AVGVSTI

                 Au/D              EX SC OB CIVES SERVATOS

                 Au/D              DE GERMANIS

 

                                         3. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P


                 Au/D             IMPER RECEPT

                 Au/D             PRAETOR RECEPT

                 Au/D             PACI AVGVSTAE

                 Quinar          OB CS (fliegende Victoria)

 

43/44                             4. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P III


                 Au/D              IMPER RECEPT

                 Au/D              PRAETOR RECEPT

                 Au/D              PACI AVGVSTAE

 

44/45                             5. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P IIII


                 Au/D             IMPER RECEPT

                 Au                  PRAETOR RECEPT1)

                 Au/D             PACI AVGVSTAE

 

46/47                            6. Emission  TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P VI IMP XI2)


                 Au/D            DE BRITANN3)

                 Au/D            CONSTANTIAE AVGVSTI

                 Au/D            IMPER RECEPT

                 Au/D            SPQR PP OB SC

                 Au/D            PACI AVGVSTAE

                 (Au/              DE GERMANIS?)4)

 

49/50                            7. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P VIIII IMP XVI


                 Au/D            DE BRITANN

                 Au/D(?)        CONSTANTIAE AVGVSTI5)

                 Au/D            SPQR PP OB SC

                 Au/D            PACI AVGVSTAE

 

                                        8. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P VIIII IMP XVIII


                Au                   CONSTANTIAE AVGVSTI6)

                Au/D              SPQR PP OB SC

                Au/D              PACI AVGVSTAE

                 D                    DE BRITANN7)

 

50/51                            9. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P X P P IMP XVIII8)


                 Au/D           PACI AVGVSTAE

                 Au/D           SPQR/PP/PB CS

                 Au/D(?)       CONSTANTIAE AVGVSTI9)

                 Au                DE BRITANN9)

 

                                      10. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P X IMP P P


                 Au/D           PACI AVGVSTAE

                 Au/D           SPQR/PP/PB CS

                 Au(?)/D(?)   DE BRITANNI10)

                 

51/52                             11. Emission TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P XI IMP P P COS V


                 Au/D           SPQR PP OB SC

                 Au/D           PACI AVGVSTAE

 

                                      12. Emission TI CLAVD CAESAR AVG GERM PM TRIB POT P P


                  Au(?)            PACI AVGVSTAE11)

                  D(?)              SPQR PP OB SC12)

                 Au/D           AGRIPPINAE AVGVSTAE

                 Au/D           NERO CLAVD CAES DRVSVS GERM PRINC IVVENT

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Au=Aureus; D=Denar

1) ein korrespondierender Denar fehlt (Cohen, BMC, v. Kaenel, RIC, Giard: non vidi)

2) ab 46/47 n. Chr. wird die Legende im Gegen-Uhrzeigersinn geprägt

3) BMC (No. 29) bildet einen Aureus DE BRITANN (Plate 31.20) mit der Titulatur TI CLAVD CAESAR AVG PM TR P VI IMP X ab (Cohen -).

4) wahrscheinliche Fälschung; siehe v. Kaenel p12; siehe Kommentar RIC No. 35, p123

5) ein korrespondiernder Denar fehlt im BMC; RIC erwähnt einen Denar im Oxford Ashmolean Museum (No. 43; p123)

6) durch ein Exemplar in BN (Claude 64) belegt

7) belegt durch ein Exemplar bei Cohen (No.21) (v. Kaenel 1986; p15); bedarf jedoch der Bestätigung

8) in die Titulatur wird erstmals P(ater) P(atriae) aufgenommen

9) korrespondierende Denare fehlen bisher (v. Kaenel 1986; p.16)

10) es sind 4 gefütterte Denare bekannt, v. Kaenel (1986) hält eine reguläre Prägung in geringem Umfang für denkbar (p.16)

11) v. Kaenel (1986) führt als fraglichen Beleg einen Aureus aus Wien an (p.18)

12.) v. Kaenel (1986) führt als fraglichen Beleg gefütterte Denare an (p.18)


Die Edelmetallprägungen im Namen der Familienmitglieder erfolgten ohne Porträt und Titulatur des Claudius, so dass diese nicht datierbar sind. Edelmetallprägungen ohne Porträt des herrschenden Kaisers auf der Vorderseite waren zu der Zeit ein Novum Einen Anhalt für den Zeitraum der Prägungen ergeben folgende überlieferte Ereignisse: Nero wurde am 25. Februar 50 von Claudius adoptiert (im Zusammenhang damit steht die Verleihung des Augusta-Titels an Agrippina; Tacitus Buch XII, 26), Nero wurde im März 51 princeps ivventutis und designierter Consul mit Amtsantritt bei Vollendung des 20. Lebensjahrs (NERONI CLAVDIO DRVSO GERM COS DESIGN). Die Ritterschaft schenkte Nero Schild und Speer (EQVESTER ORDO PRINCIPI IVVENT). Als Nero 14 wird, im Dezember 51 n. Chr., wird er als überzähliges Mitglied in die vier Priesterkollegien aufgenommen also supra numerum (SACERD COOPT IN OMN CONL SVPRA NUM EX SC mit den Priestersymbolen Simpulum (langstieliger Schöpflöffel), Tripod (Dreifuß), Lituus (Krummstab) und Patera (Opferschale), entsprechend der vier großen Priesterkollegien pontifices, augures, XVviri sacris faciundis und epulones (Klemke, 1982; Alföldi, 1999).


Regierungsjahr          Motive (Familienmitglieder) für Aurei und Denarii

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41-45                           im Namen der Mutter Antonia

                                      SACERDOS DIVI AVGVSTI

                                      CONSTANTIAE AVGVSTI

 

41-45                           im Namen des Vaters Nero Claudius Drusus

                                      DE GERM

                                      DE GERMANIS (gekreuzte Schilde)

                                      DE GERMANIS (Reiterstandbild)

 

51/52                           im Namen der Ehefrau Agrippina1)

                                     NERO CLAVD CAES DRVSVS GERM PRINC IVVENT

 

51/52                           im Namen des Nero Caesar

                                     SACERD COOPT IN OMN CONL SVPRA NVM EX SC

                                     EQVESTER ORDO PRINCIPI IVVENT

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1.)v. Kaenel hinterfragt diesen Münztyp als reguläre Prägung und kommt zum Schluss, dass der einzig bekannte Aureus eine hybride Prägung darstellt und die wenigen Denare möglicherweise neuzeitliche Fälschungen sind (siehe Anmerkung unter RIC 75).


Prägesystematik

In sieben von fast 14 Regierungsjahren wurden Edelmetallmünzen geprägt. Trillmich (1978: p.49ff ) unterscheidet nach typologischen Gesichtspunkten eine Gruppe A von Münzen, die ein nach rechts gewandtes Kaiserporträt mit dazu gehöriger Titulatur aufweisen, von einer Gruppe B, die einer familiären Thematik gewidmet sind. Allgemein stellt er und andere (BMC, p.c1; RIC, p.121; v. Kaenel, 1986: p.12f) fest, dass im 4. Prägeabschnitt (46/47 n. Chr.) verschiedene Änderungen auftauchen: erstmals wird das Motiv DE BRITANN verwendet, erstmals wird die Imperator-Titulatur mit in die Legende aufgenommen (IMP XI), die Schreibrichtung der Titulatur ändert sich in den Gegen-Uhrzeigersinn. Ab dem Prägeabschnitt VI (50/51 n. Chr.) wird die Titulatur durch den Zusatz P P (pater patriae) erweitert. Im letzten Prägeabschnitt VII (51/52 n. Chr.) wird die Titulatur durch die Angabe COS V und dann erneut durch GERM ergänzt.

Noch detaillierter ist eine Betrachtung der verschiedenen Emissionen. Im ersten Prägeabschnitt nach Trillmich (= 1. Regierungsjahr 41/42 n. Chr.) wurden drei Emissionen geprägt, deren chronologische Abfolge auch heute noch unklar ist.

Zunächst auffallend ist, dass in der Titulatur der Zusatz GERM im ersten Regierungsjahr verwendet wird, dann über viele Jahre wegfällt, und erst wieder im Regierungsjahr 51/52 n. Chr. in der Legende auftaucht. Der Titel GERMANICVS war bereits ein Bestandteil des Namens von Claudius seit dem Tod seines Vaters Nero Drusus bzw. seit der Adoption seines älteren Bruders durch den Kaiser Tiberius (siehe Biografie). Claudius hätte diesen Titel also von Anfang an führen können, auch unabhängig von weiteren siegreichen Auseinandersetzungen in Germanien. Weitere auffallende Details in der Porträtanalyse, u.a. eine ausgesprochene Übereinstimmung im Claudiusporträt zwischen einigen Edelmetallmünzen (RIC 15) und großen Bronzemünzen (RIC 96), die ohne Zweifel in Rom geprägt wurden, als auch Ähnlichkeiten des Claudiusporträt mit dem seines Vorgängers Caligula bei anderen Münzen (RIC 5), haben Wolters (1999: p.73f ) dazu geführt anzunehmen, dass die Emission mit der Verwendung von GERM in der Titulatur unmittelbar nach dem Regierungsantritt als erste geprägt wurde, mit Nähe zur Aesprägung in Rom, möglicherweise (aushilfsweise) in Rom selbst. Diese Reihenfolge hatte auch Fischer (1967) angenommen, ohne sie jedoch weiter zu kommentieren.


Salzmann (1976) sieht dagegen eine andere chronologische Abfolge im ersten Regierungsjahr: zuerst eine Abfolge mit der Prägung ohne GERM, gefolgt von der Prägung mit GERM. Er unterscheidet im ersten Prägejahr zwei Porträttypen: Typ 1 mit einem hageren langgestreckten Kopf mit großen Augen, scharf gebogener Nase, eingezogenen Wangen und deutlich abgesetztem Unterkiefer, einen Typ 2 mit fast quadratischem Kopf mit schwerem Untergesicht und runden Wangen. Salzmann beobachtet für die Münzen ohne GERM die Verwendung der Porträttypen 1 und 2, für die Münzlegenden mit GERM jedoch nur ausschließlich den Porträttyp 2. Des Weiteren beobachtet er mehr jugendliche wirkende Porträttypen ausschließlich in der Serie ohne GERM. Diese Interpretation ist nicht unbestritten (zur Mehrdeutigkeit des Eichenkranzes als corona civica siehe die Diskussion von Bergmann, 2010: p.145ff). Salzmann (1976) diskutiert noch ein weiteres Detail: Der Kopfschmuck des Claudius ist im 1. Regierungsjahr der Eichenkranz (corona civica), erst ab dem 3. Regierungsjahr wird der Lorbeerkranz verwendet (v. Kaenel, 1986: p.243f).  Die Verwendung der corona civica erinnert an die Verleihung an Octavian im Jahr 27 v. Chr. zusammen mit dem Titel Augustus durch den Senat, als Zeichen der Erneuerung der alten res publica. Der republikanische Charakter der corona civica wird noch durch die Rückseitenlegende EX SC OB CIVES SERVATOS unterstrichen (=für die Rettung eines römischen Bürgers). 


v. Kaenel (1986: p.243f) favorisiert die Sichtweise von Salzmann (zunächst ohne die Verwendung von GERM in der Titulatur, gefolgt von einer späteren Emission mit der Zusatz GERM), allerdings mit anderen Argumenten. Er identifiziert in seiner Analyse einzelne Stempelschneider, die vorher Caligula-Stempel geschnitten hatten, die dann auch für einzelne Motive der Serie mit GERM tätig waren. Auch das Rückenseitenmotiv eines der Münztypen aus der Serie ohne GERM (RIC 5; EX SC OB CIVES SERVATOS im Eichenkranz) ähnelt seiner Meinung nach stark einer caliguläische Fassung (der Eichenkranz wird in einigen Exemplaren oben durch einen kleinen Ring geschlossen). Wie auch andere Autoren sieht er in den beiden Münztypen Lagertor/Prätorianer (z. B. RIC 7 und RIC 11) aus der Serie ohne GERM das Donativ, dass an die Prätorianer verteilt wurde, und nimmt an, dass dies unmittelbar nach Machtübernahme auch verwendet wurde. Die Emission mit dem Motiven IMPER RECEPT/PRAETOR RECEPT könnte jedoch auch erst im Verlauf des 1. Regierungsjahres geprägt worden sein, und könnte als Donativ am dies imperii gedient haben (Wolters, 1999: p.73ff).

Warum der Namenszusatz GERMANICVS nach initialer Verwendung im ersten Regierungsjahr erst in den späteren Jahren (letzte Emission im Jahr 51/52 n. Chr.) wiederaufgenommen wurde, ist unklar. Fischer (1967: p.40f) diskutiert folgenden Ablauf: nach initialer Anwendung im ersten Regierungsjahr wird für mehrere Jahre GERM nicht mehr verwendet, und stattdessen die nicht-julische Abstammung betont (mit Ahnenverehrung seiner Eltern). Erst als Claudius die Schwester von Caligula im Jahr 49 n. Chr. heiratet, betont er wieder (bzw. auf Drängen der Agrippina?) mit der Verwendung von GERM in der Titulatur seine julische Abstammung.


In Münzprogramm des ersten Regierungsjahres gibt es eine zweite Auffälligkeit: eine vorübergehende Verwendung des Münzmotivs DE GERMANIS. Dieses Motiv wird im Folgenden nur noch in Verbindung mit Münzen im Namen seines Vaters, Nero Drusus verwendet. Wolters (1999: p.77) hat zwei mögliche Erklärungen: a. eine Falschmeldung aus Rom über einen Triumpf in Germanien, der allerdings nie abgehalten wurde, Claudius liess sich lediglich als Imperator ausrufen; b. ein Prägeauftrag für Nero Drusus wurde irrtümlicherweise für Claudius ausgeführt. Welche Erklärung auch zutreffen mag - die vom Umfang relativ kleine Serie wurde gestoppt (siehe dazu Anmerkung bei RIC 3).


Die Münzprägungen (aurei, denarii) im Namen der Mutter und des Vaters von Claudius sind nicht weiter datierbar. Konzeptionell stellt diese Münzserie ein Novum dar sie sind thematisch gänzlich den ehrenden Personen vorbehalten. Porträts von Antonia und Nero Claudius Drusus nehmen die Vorderseite ein, die Rückseiten berühren individuelle Motive (Antonia: CONSTANTIAE AVGVSTI und SACERDOS DIVI AVGVSTI; Nero Claudius Drusus: Triumphbogen mit DE GERM oder DE GERMANIS, sowie ein Waffenmotiv mit DE GERMANIS). Eine Reihe von Argumenten sprechen dafür, das Prägedatum dieser Serie zwischen 41 und 45 n. Chr. anzunehmen (Literatur und Diskussion bei Trillmich, 1978: p.69ff).

Passend dazu erwähnt Sueton (Claudius 11.1), dass sich Claudius nach Aussprechen einer Generalamnestie und Hinrichtung der Verschwörer „seinen Pflichten gegen seine Vorfahren“- also in der Frühphase seiner Regierungszeit- zuwandte. Die Münzprägung mit den Legenden AGRIPPINAE AVGVSTAE und NERO CLAVD CAES DRVSVS GERM PRINC IVVENT wird bei v. Kaenel (1986: p.18f; siehe dazu Denar RIC 75) als eine hybride Prägung hinterfragt. Da die Agrippina im Dativ genannt wird und Nero im Nominativ, dürfte das Porträt der Agrippina der Rückseite zu zuordnen sein. Zwei weitere Münztypen im Namen des Nero (SACERD COOPT IN OMN CONL SVPRA NVM EX SC und EQVESTER ORDO PRINCIPI IVVENT) stellen wiederum ein Novum dar, und verfestigen den Anspruch Neros als potentiellen Nachfolger.


Prägeumfang

Von Kaenel (1986) analysierte die Ikonografie der Edelmetallprägung in der Regierungszeit des Claudius. In 1182 Exemplaren stellte er 830 Vorderseitenstempel für die einzelnen Münztypen fest.  Schätzungen gehen davon aus, dass von einem einzigen Vorderseitenstempel 11.500 bis 30.000 Münzen geprägt wurden (siehe Literatur bei v. Kaenel, 1986: p.41). Diese Schätzungen verleiten dazu, von der Anzahl der verwendeten Stempel auf die geprägte Geldmenge, zumindestens auf Relationen zwischen den jeweiligen Regierungsjahren zu schließen. Dieses Vorgehen ist nicht ganz unumstritten, und mit vielen Unwägsamkeiten verbunden (zur Diskussion siehe Buttrey, 1994 und De Callatay, 1995). Die Analyse v. Kaenel (1986: p.255f) ergab hinsichtlich des relativen Umfangs der claudischen Emissionen, dass im ersten Regierungsjahr bereits 1/3 der Edelmetallprägung getätigt wurden, weitere 18% bzw. 24% in den Regierungsjahren 46/47 und 51/52 n. Chr. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Burgers (2001), der annimmt, dass ca. 60% der Edelmetallprägung in den Jahren 41/42 und 51 n. Chr. erfolgte.


Es liegt nahe zwischen Umfang der Edelmetallprägung und aktuellem Bedarf / Ereignissen einen Zusammenhang zu ziehen (Burgers, 2001). Große Einigkeit besteht in der Erklärung des initialen umfangreichen Münzausstosses, u.a. mit den Motiven PRAETOR RECEPT und IMPER RECEPT (u.a. v.Kaenel, 1986; Sutherland ,1976, 1987; Mattingly, 1923). Wie in der Kurzbiografie dargelegt, wird das Donativ an das Militär in Rom zu Beginn des Regierungsantritts auf etwa 67.5 Millionen Sesterzen geschätzt (also ca. 675.000 aurei und/oder eine entsprechende Anzahl an denarii) (Levick, 1990: p.130). Andere Schätzungen berücksichtigen nicht nur das Donativ an die Prätorianer, sondern auch Geldgeschenke an die Soldaten der Stadtkohorten und an alle Legionäre, als auch ein congiarium und plebis frumentaria für die Bürger von Rom, und kommen auf Summen von bis zu 880 Millionen Sesterzen, die auf einmal oder über das erste Regierungsjahr ausgezahlt wurden (Burgers, 2001). In seiner Analyse zur Ikonografie beschreibt v. Kaenel (1986) eine erste Emission von Münzen, die sich aus etwa 46 Vorderseitentypen zusammensetzen (p.255; als erste Emission nimmt v. Kaenel die 3. Emission in der Tabelle an). Auch unter Berücksichtigung aller Unzulänglichkeiten solcher Schätzungen (insbesondere, an wie viele Soldaten tatsächlich das Donativ verteilt wurde), würde die erste Emission den initialen Geldbedarf „decken“ können. Wolters (1999: p.110) berechnete die Antrittsemission des Claudius neu, und geht davon aus, dass die Antrittsemission sich hauptsächlich aus Münzen mit den Motiven CONSTANTIAE AVGVSTI und EX SC/OB CIVES/SERVATOS zusammensetzte. Auch er kommt zum Schluss, dass der Prägeausstoss das initiale Donativ bei Regierungsantritt abdeckte, zumal möglicherweise auch Münzen mit den Motiven Nero Drusus und Antonia (oder auch Münzen aus dem Staatsschatz des Caligula) verteilt wurden. Ist die Chronologie der oben angeführten Emissionen korrekt, impliziert dies, dass das sonst von vielen Autoren angenommene initiale Donativ an das Militär bei Regierungsantritt gar nicht die Motive IMPER RECEPT und PRAETOR RECEPT beinhaltete. Es ist wahrscheinlicher anzunehmen, dass diese Münzentypen erst zum Jahrestag des Prinzipats (also beginnend am 25. Januar 42 n. Chr.) verteilt wurden. Cassius Dio (Buch 60,12.4) erwähnt ein Donativ an die Prätorianer, beginnend mit der ersten Verjährung der Thronbesteigung und einer dann jährlichen Wiederholung. Allerdings gibt er als Donativ die Summe von 100 Sesterzen pro Mann an, und erwähnt kein Edelmetall.


Unklar sind die Gründe für die weiteren „Peaks“ im Prägeausstoß. Der Prägeumfang in den mittleren Regierungsjahren (46/47 n. Chr.) scheint wenig mit der Finanzierung des Feldzuges in Britannien zusammenzuhängen: a. der Feldzug startete bereits im Jahr 43 n. Chr., und b. die Prägung im Jahr 46/47 n. Chr. umfasste u.a. den Münztyp mit dem Britannienbogen (DE BRITANN), also diente schon dem Triumph nach vollbrachter Leistung. v. Kaenel (1994) favorisiert als möglichen Anlass zur Prägung im Jahr 46/47 n. Chr. die umfangreichen Bautätigkeiten des Claudius, u.a. den weiteren Ausbau des Hafens von Ostia und die Trockenlegung des Lacus Fucinus, der schon alleine– wie in der Kurzbiografie berichtet, etwa 400 Millionen Sesterzen gekostet haben soll.


Der letzte Peak im Prägeausstoß fällt mit Emissionen zusammen, die im Namen der letzten Ehefrau von Claudius, Agrippina, und seinem designierten Nachfolger, Nero Caesar, erfolgten (Münztypen 50 bis 53 nach v. Kaenel 1986). Dieser mögliche Zusammenhang verdient eine besondere Aufmerksamkeit, denn er impliziert eine sonst nur wenig belegbare Rolle der claudischen Edelmetallprägung, die Münzprägung als Teil einer Familienpropaganda und -politik (Trillmich, 1978; Mlasowsky, 1996), und den Versuch, das Bildnis von Nero und seiner Mutter Agrippina weit in der Bevölkerung zu verbreiten (Burgers, 2001).



Die Aesprägung in Rom

 

Im Gegensatz zu den meisten Edelmetallmünzen weisen die Bronze- (Kupfer/Blei/Zink Legierungen)- und Kupfermünzen keine Titulatur auf, die eine genaue Datierung erlaubt; Ausnahmen sind zwei Quadrantes mit den Motiven „Modius“ und „Hand mit Waage“, die aufgrund der Titulatur zwischen 24.01.41 bis 31.12.42 datiert werden können.

 

Ein Teil der Quadrantes aus dem Jahr 42 führen im Herrschertitel den Zusatz P P (pater patriae), einen Ehrentitel, den Claudius wohl erst im Jahr 42 annahm. Obwohl er diesen Titel seit 42 innehielt, wird er im Herrschertitel der Edelmetallprägung erst ab dem Regierungsjahr 50/51 verwendet (Sutherland 1976:p115). In einer Art Analogie-Schlussfolgerung wird angenommen, dass auch die höheren Bronzemünzen mit dem Zusatz PP erst ab dem Jahr 50/51 geprägt wurden. Diese letzte Annahme ist jedoch umstritten (zur Diskussion siehe Fischer 1967:p37f; v. Kaenel 1986:p220ff; siehe Abschnitt Prägedatum).

 

Im Gegensatz zu der Edelmetallprägung fällt weiterhin auf, dass als Name CLAVDIVS und nicht die Abkürzung CLAVD verwendet wird.

 

Bis auf ganz wenige Ausnahmen (ein Medaillon/Sesterz im Namen von Nero Caesar mit der Rückseite EQVESTER ORDO PRINCIPI IVVENT; RIC Claudius 108; ein Sesterz für Agrippina die Jüngere mit der Rückseite Carpentum, RIC Claudius 103) weisen alle Bronzemünzen ein SC in der Legende oder zusätzlich im Feld auf. Eine traditionelle Interpretation, die auf Theodor Mommsen zurückgeht (zitiert nach Barrett 1996:p243), geht davon aus, dass die Edelmetallprägung unter der Autorität des Herrschers steht, dagegen die Aesprägung durch den Senat (senatus consulto = geprägt auf Senatsbeschluß) autorisiert wurde. Letztendlich ist heute die Bedeutung der Aufschrift SC unklar (zur Diskussion siehe Kraft 1962; Sutherland 1976; Leidig 1981/82; Talbert 1984; Wolters 1999:p115ff). Der Zusatz SC unterscheidet die Aes-Prägung Roms von der Aes-Prägung im übrigen Reich. Das SC wurde in den Provinzen nur noch in der Münzstätte Antiochia (Syrien) verwendet (SC-Serie: RPC 4277, 4279, 4280, 4281, 4182). Die Bedeutung in der Verwendung von SC bei den Aes-Münzen in Antiochia ist ebenfalls unbekannt, sie lässt sich bis auf die Zeit des Statthalters Varus zurückverfolgen (Howgego 1982) und ist möglicherweise Ausdruck einer Autorisierung der Commune Asiae. 

 

Im RIC sind folgende Gewichte für die einzelnen Nominale angegeben:

 

Sesterz                       27.50 – 29.50 g

Dupondius               15.00 – 16.25 g

AS                               10.25 – 11.50 g

Quadrant                  3.00 –  3.50 g

 

Prägedatum

H. Mattingly (BMC: Introduction Claudius-Chronolgy; cli) nimmt an, dass die Aes-Prägungen ohne PP (pater patriae) in den Jahren 41/42 n. Chr. erfolgen, während Aes mit PP in den Jahren 42 bis 43 (oder 44 n. Chr.) geprägt wurden. C.H.V. Sutherland (RIC I, p.118f) nimmt an, dass die Aes-Prägungen ohne PP zwischen den Jahren 41 bis 50 n. Chr. geprägt wurden, Bronze/Messingmünzen mit einem PP dagegen zwischen 50 bis 54 n. Chr. Er geht davon aus, dass die Aes-Prägungen mit und ohne PP in der Titulatur der Verwendung des PP in der Titulatur der Edelmetallmünzen folgen. v. Kaenel favorisiert die Hypothese, dass Aesprägungen ohne PP in den Jahren 41-42, mit dem Zusatz PP in den Jahren 42 nd 43 n. Chr. geprägt wurden. Eine spätere Metallanalyse von Assen ergab eine grosse Ähnlichkeit in der chemischen Zusammensetzung von Münzen mit und ohne PP; diese Beobachtung passt eher zu der Hypothese, dass beide Münztypen zeitlich nicht sehr unterschiedlich geprägt wurden (Klein & v. Kaenel, 2000).

 

Erschwerend kommt in den Analysen der Aes-Prägungen hinzu, dass gerade unter Claudius eine Vielzahl an Variationen und lokalen Imitationen, teilweise mit fehlerhaften Legenden, schlecht geschnittenen Stempeln, geringerem Gewicht oder auf zu kleinen Schrötlingen geprägt wurden (Sutherland 1976: p.71 (insbesondere Fußnote 53); v. Kaenel 1986: p.222f). Bereits Mattingly (BMC, p. c1) vermerkt, dass die Aes-Prägung unter Claudius ein „kurioses Problem“ bietet: ein regulärer Stil aus der Prägestätte Rom, aber eine Vielzahl an mehr oder weniger gut gelungenen Imitationen, die in großen Mengen entlang des Rheins, in Britannien und Spanien gefunden wurden (siehe dazu auch Banti & Simonetti, Band XIV). Darüber hinaus existierten möglicherweise neben Rom auch eine Reihe „offizieller“ Münzstätten in Gallien und Spanien, die den Bedarf an Bronzemünzen deckten (Besombes & Barrandon, 2000; Besombes 2005; siehe Beispiel Sesterz mit dem SPES Motiv- siehe unten). Nicht geklärt ist, warum die Mehrzahl an gefundenen Variationen/Imitationen ohne Zusatz PP ist (Mattingly, BMC, p. c1; Sutherland 1976: p.71; v. Kaenel 1986: p.222). Versucht man nur reguläre Aes-Prägungen in Münzfunden zu analysieren, scheint im Verhältnis Aes-Prägungen mit und ohne dem Zusatz PP eher der Typ mit PP zu überwiegen (v. Kaenel 1986: p.224). von Kaenel (1986: p.226f) datiert aufgrund von Porträt- und Stempelanalysen regulärer Buntmetallmünzen die Serie ohne PP in den Zeitraum 24.1.41 bis 12.1.42 n. Chr., die Serie mit PP in das Jahr 42 n. Chr.; er nimmt an, dass nach 42 n. Chr. keine Bronzemünzen mehr in Rom produziert wurden, erst im Jahr 62 n.Chr. scheint Nero wieder die Aes-Prägung aufzunehmen (Mac Dowell 1979: p.37ff).

 

Cassius Dio (Buch 60, 22.3) berichtet anläßlich des Bekanntwerdens der in Britannien errungenen Erfolge des Claudius (43 n. Chr.), dass den Senatoren das Andenken an Caligula so verhasst war, dass sie beschlossen, jede Bronzemünze mit dem Bild des Caligula einzuschmelzen, wobei Messalina daraus Standbilder für den Schauspieler Mnester habe anfertigen lassen (Wolters 1999: p.150-151; Barrett 1999; Gocht 2003). Dieses Vorgehen könnte einen Mangel an Buntmetallmünzen in Rom zur Folge gehabt haben. Falls dies zutreffen sollte, wäre ein Bedarf an Neuprägungen zu erwarten (mit einem P P in der Titulatur). Von Kaenel argumentiert dagegen, dass ein Mangel an Aes-Prägungen in Rom selbst kaum in das Gewicht gefallen war, und außerhalb von Rom trotz des Einschmelzens große Mengen an Aes-Prägungen, solche mit Caligula-Porträts weiter in Verwendung waren oder „lediglich“ mit einem Gegenstempel TIB CLAV IMP versehen wurden (p.231).

 

Prägeumfang

In einem Münzfund im Tiber, Rom, wurden 922 Bronze-/Kupfermünzen aus der Regierungszeit des Claudius gefunden (siehe v. Kaenel 1986:p161). Der häufigste Sesterz zeigte als Motiv SPES, die häufigsten Asse als Motiv SC (Minerva) und LIBERTAS. Dazu passend registrierte v. Kaenel (1986:p258f) in seiner Analyse von Vorderseitenstempel am häufigsten Stempel mit dem SPES-Motiv (RIC 55 und 70), Asse mit dem SC/Minerva-Motiv (RIC 60 und 75) und dem LIBERTAS-Motiv (RIC 62 und 77) (jeweils mit und ohne PP). In einer kürzlich publizierten Zusammenstellung von 1351 Aes Fundmünzen in Rom (inclusive der Funde aus dem Tiber, ergänzt durch Funde im Capitolinischen Münzkabinett) (Molinari 2015:p47-58) wurden Münzen mit den Motiven Libertas und Minerva am häufigsten gefunden.

 

Sutherland (1976: p.102f) und Grant (1956: p.108f) berichten, dass das AS mit dem Motiv Minerva/SC (RIC 60 und 75) im westlichen Teil des römischen Reiches die weiteste Verbreitung gefunden hatte. Ob dies beabsichtigt war bleibt unklar; das Motiv (Minerva als Hinweis für die göttliche Weisheit verknüpft mit der militärischen Stärke Roms) wäre im Sinne von Propaganda eine auch aus heutiger Sicht gut nachvollziehbare Wahl.


Übersicht über die Aes-Prägungen in Rom:

Quadrantus ROM ET AVG (Romae et Augusto. (Tempel/Altar von Lyon, RIC 1)


Dupondius DIVVS AVGVSTVS/ DIVA AVGVSTA (RIC 101; siehe oben)

 

Quadranten (mit dem Motiv Modius oder Hand/Waage; RIC 84-91)

 

Dupondius ANTONIA AVGVSTA (RIC 92, 104)

 

Sesterz NERO CLAVDIVS DRUSUS (RIC 93, 98, 109, 114)

 

Dupondius CERES AVGVSTA /SC (Göttin Ceres; RIC 94, 110)

 

As CONSTANTIAE AVGVSTI / SC (der Constantia (Standhaftigkeit) des Augustus (gewidmet; RIC 95, 111)

 

Sesterz EX SC / O B CIVES / SERVATOS (Ex Senatus Consulto ob Cives Servatos. Auf Veranlassung des Senats, für die Errettung von Bürgern; RIC 96, 112)

 

As LIBERTAS AVGVSTA / SC (Auf Geheiss des Senats - Die kaiserliche Freiheit; RIC 97, 113)

 

Sesterz SPES AVGVSTA / SC (Auf Weisung des Senats- Die kaiserliche Hoffnung; RIC 99, 115)

 

As SC (Auf Geheiss des Senats - Göttin Minerva nach rechts gehend; RIC 100, 116)

 

Sesterz AGRIPPINA M F GERMANICI CAESARIS (Agrippina Marci Filia (uxor) Germanici Caesaris. Büste der Agrippina I, Büste der Agrippina der Älteren (Tochter des Marcus (Agrippa), Frau des Germanicus Caesar); RIC 102)

 

Sesterz AGRIPPINA AVG GERMANICI F CAESARIS AVG (Agrippina Augusta Germanici Filia (uxor) Caesaris Augusti. Agrippina Augusta, Tochter des Germanicus und Ehefrau des Caesar Augustus. Büste der Agrippina der Jüngeren n.r. /carpentum; RIC 103)

 

As GERMANICVS CAESAR TI AVG F DIVI AVG N (Germanicus Caesar, Tiberii Augusti Filius, Divi Augusti Nepos. Germanicus Caesar (Adoptiv)Sohn des Tiberius Augustus, Enkel des Göttlichen Augustus; RIC 106)