Biografie


Claudius wurde am 1. August 10 v. Chr. in Lugdunum (Lyon) geboren. Er war das jüngste Kind seiner Eltern Antonia und Nero Claudius Drusus, die laut Sueton (Buch 5, 1.6) mehrere Kinder hatten, wobei jedoch nur Germanicus (*24. Mai 15 v. Chr.), Livilla (* zwischen 14 bis 11 v. Chr.) und Claudius überlebten. Sein Geburtsname lautete Tiberius Claudius Drusus (Sueton, Claudius 2), später nach Adoption seines Bruders durch Kaiser Tiberius mit dessen Übertritt in das julische Geschlecht dann Ti. Claudius Drusi Germanici f(ilius) Nero Germanicus (Groag & Gaheis, 1899).


Claudius Vater, Nero Claudius Drusus (geboren 38 v. Chr.), war der jüngere Bruder von Tiberius, dem späteren Princeps, und Sohn der Livia Drusilla, der zweiten Ehefrau des großen Augustus. Er war Gouverneur von Gallien und ein erfolgreicher Feldherr in Germanien, er starb ein Jahr nach der Geburt von Claudius (9 v. Chr.) in seinem 29. Lebensjahr auf dem Weg zurück von der Elbe zum Rhein infolge eines Reitunfalls oder sonstiger Erkrankung. Der römische Senat ehrte ihn posthum mit dem erblichen Titel Germanicus, ein Titel, den sein ältester Sohn annahm und fortan nur unter diesem Namen bekannt war (Perne, 2006: p.24-28).


Claudius Mutter, Antonia (minor; geboren am 31. Januar 36 v. Chr.), blieb nach dem plötzlichen Tode ihres Ehemannes unverheiratet, trotz ihres noch jugendlichen Alters (27 Jahre) und öffentlichen Druckes zur Verheiratung infolge der von Augustus verfassten lex Iulia de maritandis ordinibus (ein Gesetz des Kaiser Augustus aus dem Jahr 18 v. Chr., um Moral zu verbessern und Kinderlosigkeit zu bekämpfen). Sie zog in das Haus ihrer Schwiegermutter (Livia Drusilla) und widmete sich dort der Erziehung und Karriere ihrer Kinder (Kokkinos, 1992: p.16). Antonia entstammte der Ehe des legendären Mark Anton mit der Schwester des großen Augustus, Octavia. Sie hatte eine ältere Schwester, die ebenfalls den Namen Antonia führte (zur Unterscheidung der beiden Schwestern der Zusatz maior und minor).  Als Tochter des Mark Anton, Mutter des Claudius, Großmutter des Caligula, und Urgroßmutter des Neros gehörte sie nach Auffassung von Nikos Kokkinos (1992) mit zu den einflussreichsten Damen der römischen Gesellschaft ihrer Zeit. Überliefert ist ein großer Haushalt an Sklaven und Freigelassenen als auch ausländischen Gästen (u.a. den Prinzen Agrippa I) und Geiseln, die römisch erzogen wurden. Möglicherweise war sie an der Entdeckung und Niederwerfung der Verschwörung des Lucius Aelius Sejanus im Jahr 31 n. Chr. beteiligt, indem sie über ihren Freigelassenen M. Antonius Pallas (der spätere Sekretär des Claudius) den Kaiser Tiberius warnen ließ (Kokkinos, 1992: p.30) (für dieses Geschehen findet jedoch Nicols, 1975 keine belastbare Evidenz).


Der ältere Bruder von Claudius durchlief eine erfolgreiche militärische Karriere. Germanicus wurde im Jahr 4 v. Chr. von seinem Onkel väterlichseits Kaiser Tiberius adoptiert, und im Jahr 12 n. Chr. im Alter von nur 26 Jahren zum Konsul gewählt. Im Todesjahr des Augustus (14 n. Chr.) wurde Germanicus das imperium proconsulare über Gallien und Deutschland verliehen, im Jahr 17 n. Chr. verlieh ihm der Senat auf Geheiß des Kaisers Tiberius das maius imperium über alle östlichen Provinzen (Kokkinos, 1992: p.17).

Der Ehe von Germanicus mit seiner Ehefrau Vipsania Agrippina (=Agrippina maior oder Agrippina I; Tochter des Marcus Agrippa mit Iulia) entsprossen 9 Kinder (Perne, 2006), davon überlebten 6 das Säuglings-/Kleinkindalter (in Reihenfolge ihrer Geburt): Nero Caesar (nicht zu verwechseln mit dem späteren Princeps Nero), Drusus Caesar, Gaius Caesar (genannt Caligula, der spätere Princeps), Iulia Agrippina (Agrippina minor oder Agrippina II, die spätere Ehefrau des Kaiser Claudius), Iulia Drusilla und Iulia Livilla. Nach einer Rundreise durch die östlichen Provinzen verstarb Germanicus am 10. Oktober 19 n. Chr. unter mysteriösen Umständen in Syrien (Perne, 2006; Powell, 2013). Mit der Adoption seines älteren Bruders durch Tiberius nahm Claudius ebenfalls den Beinamen Germanicus an (Sueton, Claudius 3.1).


Claudius Schwester Livilla war in erster Ehe mit Gaius Caesar (Sohn der Iulia, der einzigen Tochter des Augustus), nach dessen frühem Tod (4 n. Chr.) mit dem jüngeren Drusus (Drusus minor), Sohn des Kaisers Tiberius, verheiratet. Der letzteren Ehe entstammen die Kinder Iulia, Tiberius Gemellus und Germanicus Gemellus (Vogt-Lüersssen, 2002) (Hahn, 1994: p.126f). Drusus minor verstarb im Jahr 23 n. Chr. an Schwindsucht, möglicherweise auch infolge einer Vergiftung durch Livilla (Meise, 1969: p.49f). 

Der Ehe mit Drusus minor folgte ein Liebesverhältnis mit dem Prätorianerpräfekten und Consul Lucius Aelius Sejanus, der am 18. Oktober 31 wegen Hochverrats hingerichtet wurde. Livilla musste sich - wie Cassius Dio überliefert (Buch 58, 11.7) – zur Strafe zu Tode hungern (Sinclair, 1990). Auf Geheiß des Kaiser Tiberius sprach der Senat nachträglich (32 n. Chr.) die damnatio memoriae über die Tote aus (Hahn, 1994: p.126).


Claudius war von Kindheit an auffällig (Sueton Claudius 2.1). Der genaue medizinische Hintergrund ist unklar (Ruth, 1916; Leon, 1948; Levick, 1990: p.13f). Möglicherweise litt er an einem Gilles-de-la-Tourette Syndrom, eine neuro-psychiatrische Erkrankung unklarer Ätiologie (Burden, 1992; Murad, 2010). Differentialdiagnostisch wird auch eine Dystonie erwogen (Rice, 2000; Valente et al., 2002; Camargo & Teive, 2018). Die auf den Münzporträts von Claudius häufig erkennbare stark hervortretende Halsmuskulatur mag Folge einer cervical betonten Dystonie sein.  In diesem Zusammenhang wird häufig ein Ausspruch seiner Mutter Antonia zitiert, den Sueton (Sueton Claudius 3.2) so festhielt: „Mißgeburt eines Menschen, die die Natur zwar angefangen, aber nicht vollendete“. Die Missbildung schien laut der Geschichtsschreiber Seneca, Cassius Dio und Sueton weniger die Gestalt von Claudius zu betreffen (Levick, 1990: p.14), als das vielmehr Bewegungsabläufe gestört waren, ferner fielen nervöses Zucken seiner Hände und plötzliches Schütteln des Kopfes auf, es kam zu einem unkontrollierten Lachen bei emotional anspan-nenden Situationen, und Sprachschwierigkeiten. Des Weiteren werden rezidivierend schmerzvolle Bauchbeschwerden erwähnt (Sueton Claudius 30).


Sueton erwähnt weiterhin eine Textpassage zur Person Claudius (Sueton, Claudius 4.1 – 4.5), die der Privatkorrespondenz des Kaiser Augustus mit seiner Gemahlin Livia entnommen sein soll. Hier drückt Augustus seine Bedenken aus, in welcher Funktion Claudius an anstehenden Spielen zu Ehren des Mars offiziell teilnehmen soll. In zwei weiteren Textpassagen zeigt er sich jedoch positiv beeindruckt von dem Adel seiner Seele (..wenn sein Geist einmal voll bei der Sache ist..) und von einer Übungsrede, an der Augustus teilnahm. Zur Persönlichkeit von Claudius vermerkt Cassius Dio (Buch 60, 2.4f) dagegen wenig schmeichelhaft „Einfalt, Feigheit und Unersättlichkeit im Essen und Liebesverkehr“.


An seinen intellektuellen Fähigkeiten hatte Cassius Dio (Buch 60 2.1) weniger auszusetzen. Er erwähnt, dass Claudius sich dauernd fortbildete und selbst einiges geschrieben habe. Sueton (Claudius 41f) führt aus, dass der berühmte Historiker Titus Livius (ca. 59 v. Chr. – 17. n. Chr.) persönlich Claudius zum Schreiben der Geschichte ermuntert habe (Malitz, 1994: p.135f).  Von den bei Sueton erwähnten Werken von Claudius sind jedoch keine erhalten geblieben.


Claudius durchlief nicht den sonst für seinen Stand angemessen cursus honorum (tradionelle „Ämterlaufbahn“, die Politiker in der römischen Republik zu durchlaufen hatten). Er trug zwar als Familienmitglied des Kaiserhauses die ornamenta consularia, besetzte aber kein öffentliches Amt.

 

Sueton (Claudius 5) erwähnt mehrere Bittgesuche von Claudius um ein öffentliches Amt an seinen Onkel Tiberius, die jedoch abschlägig entschieden wurden. Seine einzige offizielle Aufgabe war die Mitgliedschaft in einer Priesterschaft zu Ehren des göttlichen Augustus (sodales augustales) (Sueton, Claudius 6; Tacitus, Buch 1, 54).  Erst mit dem Tode des Kaisers Tiberius am 16. März 37 n. Chr. und der Machtübernahme durch den 24jährigen Caligula änderte sich die politische Stellung des Claudius, er wurde im Jahr 37 der Amts-Kollege (consul suffectus) im Konsulat des Caligula (Sueton, Claudius 7; Sueton, Caligula 15.2; Degrassi, 1952).


Claudius war zweimal verlobt (mit Aemilia Lepida, eine Urenkelin des Augustus, und Livia Medullina Camilla aus dem Hause der Furii Camilli), bevor er sich mit Plautia Urgulanilla verheiratete (Sueton, Claudius 26.1). Plautia Urgulanilla war die Tochter von M. Plautius Silvanus, Consul 2 v. Chr., Proconsul von Asien 4-5 n. Chr.

Der Ehe entsprangen zwei Kinder (Drusus* ca. 10 n. Chr., und Claudia) (Sueton, Claudius 26.3; Vagi, 2010), bevor sie wieder geschieden wurde, da Plautia Urgulanilla Ausschweifungen als auch Mord zu Last gelegt wurden. Drusus starb laut Sueton im Kindesalter („erstickte durch eine Birne im Spiel“), Claudia erkannte er nicht als seine Tochter an, und „ließ sie vor der Tür der Mutter aussetzen“.

 

Die zweite Ehe von Claudius wurde mit Aelia Paetina im Jahr 28 n. Chr. geschlossen. Der Ehe entsprang eine Tochter, Antonia. Die Ehe wurde, wie Sueton anmerkte (Claudius 26.1) wegen „geringfügiger Ungereimtheiten“ wieder geschieden.


Die dritte Ehefrau war Valeria Messalina (Heirat 38 oder 39 n. Chr.), die Claudius im Jahr 48 n. Chr. hinrichten ließ, nachdem deren „zügellose Sinnlichkeit und Schandtaten unter anderem eine Ehe mit C. Silius“ bekannt wurde (Meise, 1969: p.125f; Fagan, 2002). Der Ehe mit Messalina entsprangen eine Tochter Claudia/Octavia (*38 oder 39 n. Chr.) und ein Sohn Ti. Claudius Caesar Germanicus (*13. Februar 41 n. Chr.), später nur Britannicus genannt. Es war das erste Mal, dass einem regierenden römischen Princeps ein Sohn geboren wurde.


Die vierte Ehe wurde mit seiner Nichte Agrippina minor bzw. Agrippina II (Tochter seines Bruders Germanicus, Schwester des Caligula) am 1. März (oder 1. Januar; Levick, 1990: p:69) 49 n. Chr. geschlossen, die verwitwet war und ein Kind, Lucius Domitius Ahenobarbus (*15. Dezember 37 n. Chr.) (Barret, 1996: p.234), mit in die Ehe brachte. Eine Ehe zwischen Onkel und Nichte, aus dynastischen oder nicht-dynastischen Gründen, war in Rom nicht legal und stand im Widerspruch zum mos maiorum (Green, 1998), wurde aber unter Vermittlung des Censors Vitellius Anfang 49 n. Chr. durch den Senat genehmigt (Smith, 1963).Schon vor der Hochzeit, als sich Agrippina der Eheschließung mit Claudius vermutlich sicher war, wurde die Verlobung zwischen L. Domitius mit der Tochter des Kaisers, Claudia/Octavia geplant; dazu musste Claudia/Octavia ihre bereits vollzogene Verlobung mit L. Silanus zuvor lösen (Meise, 1969: p.175). Tacitus (Buch XII, 3) beschreibt ausführlich, wie unter dem Einfluss der Agrippina L. Silanus in Ungnade fiel, aus dem Senatorenstand ausgestoßen und die Verlobung Ende 48 n. Chr. aufgelöst wurde. 

 

L. Domitius wurde am 25. Februar 50 n. Chr. von Claudius adoptiert (Meise, 1969: p.176); damit wurde L. Domitius (der spätere Nero) dem leiblichen Sohn Britannicus rechtlich gleichgestellt. Als Älterer der Beiden (Nero war 3 Jahre älter) hatte er wahrscheinlich eine bessere Chance, die Nachfolge des Prinzipats anzutreten. Da eine Vermählung unter Geschwistern nicht möglich ist, musste Claudia/Octavia vor ihrer Hochzeit mit Nero im Jahr 53 n. Chr. zuvor selbst in eine andere Familie – die der Octavier – adoptiert werden, und hieß seitdem Octavia.

 

Mit der Adoption von Nero im Jahr 50 n. Chr. durch Claudius wurde Agrippina II der Titel Augusta verliehen (Levick, 1990: p.71), verbunden mit dem Recht das carpentum zur Fahrt auf das Kapitol zu benutzen (Tacitus Buch XII, 42). Damit stand Agrippina am Zenit ihrer Macht (Tochter des Germanicus, Schwester des vorangegangenen und Ehefrau des aktuellen Herrschers, Mutter des kommenden Herrschers; Barrett, 1996). Ungewöhnliche Ehrungen wurden ihr zuteil, u.a. war sie die erste Augusta, deren Porträt sich bereits zu Lebzeiten auf Münzen zusammen mit dem regierenden Kaiser befand, und ihrer Geburtsstadt Oppidum Uniorum (dort geboren am 6. November 15 n. Chr.) einen neuen Namen geben durfte (Colonia Agrippinensium bzw. – rekonstruiert - Colonia Claudia Ara Agrippinensium = Kolonie des Claudius am Altar der Agrippinensier = das heutige Köln) (Tacitus, Buch XII, 27.1; Eck, 2004).


Zwischen dem 19. und 23. März 59 n. Chr. wurde Agrippina auf Befehl des Kaiser Nero getötet, nachdem sie zunächst einen von Nero vorbereiteten Schiffsunfall unerwartet überlebte (Barrett, 1996: p.181ff). Gegen Octavia wurde später ein Verfahren wegen Ehebruch angestrengt, sie wurde auf die Insel Pandateria (heute Ventotene im Tyrrhenischen Meer), verbannt, wo sie am 9. Juni 62 getötet wurde (Meise, 1969: p.171f). Britannicus wurde von Nero wenige Tage vor seinem 14. Geburtstag getötet (Meise, 1969: p.198).  Die letzte überlebende Tochter des Claudius aus der Ehe mit Aelia Paetina, Antonia, wurde von Nero zwischen den Jahren 65 - 68 n. Chr. „beseitigt“ (Kienast et al., 2017; Meise, 1969: p.213f ).


Der Wahnsinn von Kaiser Caligula förderte eine Verschwörung von – wie bei Josephus nachzulesen ist (Antiquitates Buch XIX, 17) – drei edlen Männern: Aemilius Regulus, dem Tribun Cassius Chaerea und Annius Minucianus. Am 24. Januar 41 n. Chr. ergab sich die passende Gelegenheit Caligula auf dem Weg von Festspielen zu den Badegemächern im Palast durch das Schwert zu töten. In dem darauf entstehenden Tumult (die germanische Leibwache des Caligula sinnt auf Rache, die beiden Konsuln Gn. Sentius Saturnius und Q. Pomponius Secundus riegeln mit den Stadtkohorten das Forum und das Kapitol ab, um zusammen mit dem Senat die allgemeine Freiheit wiederherzustellen, die Parole des Senats für die Stadtwache ist seit 100 Jahren erstmals wieder libertas; Scramuzza, 1940: p.52; Krüger, 2007) wird Claudius aus Angst um sein Leben verborgen hinter Vorhängen (Sueton, Claudius 10.2) durch einen Soldaten der Palastwache (Josephus nennt ihn Gratus) entdeckt, als Bruder des früher beliebten Germanicus erkannt und als neuer Kaiser begrüßt.

Die Prätorianer geleiten Claudius in ihr Lager (castra praetoria im Nordosten vor den Stadtmauern von Rom an der porta Viminalis). Josephus erwähnt eine Vermittlerrolle des Jugendfreundes Agrippa I (Sohn des Aristobulus, Enkel von Herodes des Großen), um bei Claudius auf Geheiß des Senats einen Thronverzicht zu bewirken, ihn aber insgeheim zur Annahme der Herrschaft bestärkt. Zur allgemeinen Konfusion innerhalb der ersten 24 Stunden nach Caligulas Tod mag beigetragen haben, dass innerhalb des Senats Einzelne selbst den Thron für sich zu beanspruchen schienen (L. Annius Vinicianus, M. Vinicius und Valerius Asiaticus; Momigliano, 1934: p.20).


Die Umstände, die die verschiedenen konspirativen Pläne in das Leere laufen ließen, die beteiligten Akteure und Hintermänner, als auch die Frage, inwieweit Claudius selbst in die Machtübernahme eingeweiht/beteiligt war, sind unklar (Jung, 1972; Levick, 1990: p.29ff). Sueton (Claudius 10.1) betont den wundersamen Zufall (quantumvis mirabili casu) in der Erlangung der Herrschaft durch Claudius. Jung (1972) findet dagegen eine Reihe von Indizien für einen möglichen Komplott, an dem auch Callistus, der spätere Sekretär a libellis, beteiligt gewesen sein soll, und der Claudius als Nachfolger unterstützte. Auch soll sich Claudius kurz zuvor am Ort des Verbrechens aufgehalten haben, ein Umstand, der zumindestens eine Kenntnis des Gewaltaktes nahezulegen scheint (Martin, 1992).


Fakt ist, dass Claudius den Vorschlag des Senats ablehnt, die von den Prätorianern ausgerufene Herrschaft behält, den Treueeid der Soldaten abnimmt, und der Leibwache ein Donativ verspricht/auszahlt (Josephus: 5.000 Drachmen pro Mann (umgerechnet ca. 20.000 Sesterzen), Hauptleuten entsprechend mehr; Sueton: 15.000 Sesterzen pro Mann). Sueton vermerkt, dass Claudius der erste Kaiser ist, der sich durch ein Geldgeschenk der Treue der Soldaten versicherte (Sueton, Claudius 10.2; zur Diskussion siehe Scramuzza, 1940: p.60f). Das Donativ an das Militär in Rom belief sich auf etwa 67.5 Millionen Sesterzen (Levick, 1990: p.130).


Die Regierungszeit des Claudius (13 Jahre, 8 Monate) reichte vom 25. Januar 41 bis zu seinem Tode am 13. Oktober 54 n. Chr. Möglicherweise wurde er durch eine Pilz-Speise vergiftet (Grimm-Samuel, 1991; zur Diskussion der Art der Vergiftung siehe auch Deltgen & Kauer, 1973), bevor sein leiblicher Sohn Britannicus die Männertoga mit dem 14. Lebensjahr erhielt und damit dynastische Ansprüche stellen konnte (Momigliano, 1934: p.74; Meise, 1969: p.185 (Fußnote 58 fasst die antiken Quellen zusammen); Levick,1990: p.77f; Aveline, 2004).


Der Tod des Kaiser Claudius infolge einer Pilzspeise fand verschiedene Anspielungen in späteren Satiren des Decimus Iunius Juvenalis, so als ob diese Tat zum damaligen Allgemein-Wissen gehörte (Satura V: 147-149, und VI: 620-623; Adamietz, 1993).


Claudius starb im Alter von 64 Jahren. Der Senat genehmigte dem verstorbenen Claudius göttliche Ehren, ungewöhnlicherweise bereits vor dem Begräbnis (Fishwick, 2002).

Ohne Widerstand übernahm Nero das imperium und die tribunicia potestate. Auch seine Regierungszeit sollte 13 Jahre und 8 Monate andauern (+ 9. Juni 68 n. Chr.).